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Potsdam
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| Bild:Disambig-dark.svg | Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen finden sich unter Potsdam (Begriffsklärung). |
| Wappen | Karte | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Bild:Potsdam Wappen.png | Bild:Potsdam in Germany.png | ||||||
| Basisdaten | |||||||
| Bundesland: | Brandenburg | ||||||
| Landkreis: | Kreisfreie Stadt | ||||||
| Geographische Lage: | Koordinaten: 52° 24' N, 13° 4' O52° 24' N, 13° 4' O | ||||||
| Höhe: | 35 m über NN | ||||||
| Fläche: | 187,27 km² | ||||||
| Einwohner: | 148.691 (Oktober 2006) [1] | ||||||
| Bevölkerungsdichte: | 782 Einwohner je km² | ||||||
| Postleitzahlen: | 14401–14482 | ||||||
| Vorwahl: | 0331 | ||||||
| Kfz-Kennzeichen: | P | ||||||
| Gemeindeschlüssel: | 12 0 54 000 | ||||||
| Stadtgliederung: | 7 Wohngebiete und 9 neue Ortsteile mit je einem Ortsbeirat | ||||||
| Offizielle Website: | potsdam.de | ||||||
| Bevölkerung und Politik | |||||||
| Altersstruktur: |
| ||||||
| Ausländeranteil: | 4,6 % (Dezember 2005) | ||||||
| Arbeitslosenquote: | 10,9 % (Februar 2007) [2] | ||||||
| Oberbürgermeister: | Jann Jakobs (SPD) | ||||||
| Adresse der Stadtverwaltung: | Friedrich-Ebert-Str. 79/81 14469 Potsdam | ||||||
| Bild:Potsdam - Schloss Sanssouci.jpg | |||||||
| Das Schloss Sanssouci ist das Wahrzeichen der Stadt Potsdam. | |||||||
Die kreisfreie Stadt Potsdam ist die Landeshauptstadt und zudem die einwohnerreichste Stadt des Bundeslandes Brandenburg. Sie grenzt im Nordosten unmittelbar an die Bundeshauptstadt Berlin und gehört zur Europäischen Metropolregion Berlin/Brandenburg.
Potsdam ist vor allem bekannt für sein historisches Vermächtnis als ehemalige Residenzstadt Preußens mit den zahlreichen und einzigartigen Schloss- und Parkanlagen. Die Kulturlandschaften wurden 1990 von der UNESCO als größtes Ensemble der deutschen Welterbestätten in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen.[3]
Potsdam entwickelte sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Wissenschaftszentrum. Heute sind drei öffentliche Hochschulen und mehr als 30 Forschungsinstitute in der Stadt ansässig. Rund 15 Prozent der Einwohner sind Studierende, die Dichte an Wissenschaftlern pro Einwohner ist die höchste in Deutschland.[4]
Das traditionsreiche ehemalige UFA-Filmstudio Babelsberg ist eines der führenden Zentren der Film- und Fernsehproduktion in Europa. Es verfügt über große Kapazitäten an moderner Ausstattung und entwickelt sich zunehmend als Produktionsstätte für internationale Filmprojekte.[5]
Inhaltsverzeichnis |
Geographie
Geografische Lage
Potsdam befindet sich südwestlich von Berlin am Mittellauf der Havel, in einer eiszeitlich geprägten Wald- und Seenlandschaft. Diese ist durch den Wechsel von breiten Talniederungen und Moränenhügeln charakterisiert, wie dem südlich gelegenen Saarmunder Endmoränenbogen. Das Stadtgebiet besteht heute zu rund 75 % aus Grün-, Wasser- und Landwirtschaftsfläche, lediglich 25 % sind bebaut. [6]
Insgesamt befinden sich über 15 Gewässer in und um Potsdam. Diese sind unter anderem Griebnitzsee, Templiner See, Vorderkappe, Hinterkappe, Neustädter Havelbucht, Tiefer See, Jungfernsee, Lehnitzsee, Krampnitzsee, Weißer See, Sacrow-Paretzer-Kanal, Teltowkanal, Glienicker Lake, Heiliger See, Groß Glienicker See, Sacrower See, Fahrlander See, Wublitz, Großer Zernsee, Schlänitzsee, Schäfersee, Aradosee, Teufelssee und der Hirtenteich. Die Havel fließt am Strandbad Babelsberg bei 29,4 m ü. NN. Die Nuthe mündet gegenüber der Nordwestspitze der Freundschaftsinsel im Stadtgebiet in die Havel. Ablagerungen der Nuthe bildeten früher Teile der Freundschaftsinsel. Der Teltowkanal ist eine 37 km lange künstliche Wasserstraße. Er beginnt an der Glienicker Lake und wurde 1906 eingeweiht. Der Kanal verbindet die Havel bei Potsdam (km 0) mit der Dahme in Berlin-Grünau (km 37,83).
Die höchste Erhebung im Stadtgebiet ist der Kleine Ravensberg mit 114 m. Die tiefste Stelle ist der mittlere Wasserspiegel der Havelgewässer mit 29 m ü. NN.
Nachbargemeinden
Folgende Städte und Gemeinden grenzen im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten, an Potsdam:
Berlin sowie Kleinmachnow, Stahnsdorf, Nuthetal, Michendorf, Schwielowsee (Geltow, Caputh, Ferch) und Werder (Havel) (alle Landkreis Potsdam-Mittelmark) sowie Ketzin, Wustermark und Dallgow-Döberitz im Landkreis Havelland.
Stadtgliederung
Man unterscheidet heute die älteren Wohngebiete Potsdam-Innenstadt, Westliche und Nördliche Vorstadt, Potsdam-Nord und -Süd, Babelsberg sowie Drewitz, Stern und Kirchsteigfeld mit weiteren Unterteilungen. [7] Nach 1990 erfolgten weitere Eingemeindungen. Das Stadtgebiet wurde bis 2003 nach § 3 der Hauptsatzung um die neuen Ortsteile Eiche, Fahrland, Golm, Groß-Glienicke, Grube, Marquardt, Neu Fahrland, Satzkorn und Uetz-Paaren erweitert. Dabei handelt es sich um ehemals selbständige Gemeinden, die seither einen eigenen, von der Bevölkerung gewählten Ortsbeirat mit einem Ortsbürgermeister als Vorsitzenden haben.[8] Die neuen Ortsteile liegen im Norden der Stadt und haben Potsdam um 60 % in der Fläche, aber nur um 12 % der Bevölkerung erweitert. [9]
| Wohngebiete im Norden | Wohngebiete im Süden | Neuere Ortsteile |
|---|---|---|
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Weberhaus Potsdam Babelsberg.jpg
Weberhaus in Babelsberg. |
Drewitz altneu..JPG
Historische und neue Architektur in Drewitz. |
Brandenburger Straße.jpg
Einkaufsstraße in der Innenstadt. |
Klima
In Potsdam herrscht ein gemäßigtes Klima, das sowohl von Norden und Westen her vom atlantischen Klima als auch vom kontinentalen Klima aus Osten beeinflusst wird. Wetterextreme wie Stürme, starker Hagel oder überdurchschnittlicher Schneefall sind selten.
Der Temperaturverlauf entspricht ungefähr dem bundesdeutschen Durchschnitt. Die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen sind geringer als im üblichen kontinentalen Klima, aber höher als im ausgeglicheneren Meeresklima der Küstenregionen. Die Niederschlagsmenge ist mit einer Jahressumme von 590 mm relativ gering. So liegt diese z.B. in Barcelona ebenfalls bei 590 mm, in München hingegen bei etwa 1.000 mm.
Die Klimaforschung ist seit etwa 1874 auf dem Telegrafenberg in Potsdam ansässig. Das Institut für Klimafolgenforschung untersucht wissenschaftlich und gesellschaftlich relevante Fragestellungen in den Bereichen Globaler Wandel, Klimawandel und Nachhaltige Entwicklung. Die Prognosen im Rahmen der globalen Erwärmung sehen ein Zunahme der durchschnittlichen Temperaturen und eine weitere Abnahme des Niederschlages für die nächsten Jahrzehnte in der Region Brandenburg.
Geschichte
Geschichte der Stadt Potsdam
- Hauptartikel Geschichte der Stadt Potsdam
Gründung im Mittelalter
Die Stadt Potsdam hat eine über eintausendjährige Geschichte. Bereits im 7. Jahrhundert errichtete der slawische Stamm der Heveller gegenüber der Einmündung der Nuthe eine Burganlage an der Havel. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte in einer Schenkungsurkunde des Kaisers Otto III. des Heiligen Römischen Reiches als Poztupimi am 3. Juli 993. Der Name leitet sich möglicherweise von den slawischen Wörtern Pod Stupa ab, welche mit unter den Eichen übersetzt werden können. Die Bedeutung der Region beruhte auf der Beherrschung des Havelübergangs. [10]
Im Jahr 1150 eroberte Albrecht der Bär die Stadt und gründetet die Mark Brandenburg. Durch Albrecht kam die Nordmark als Mark Brandenburg auch faktisch zum Heiligen Römischen Reich. Am Havelübergang wurde eine deutsche steinerne Turmburg erbaut. Im Jahr 1317 wurde die Stadt erstmals als Burg und vor allem „Stadt“ urkundlich unter dem Namen Postamp erwähnt. 1345 erhielt Potsdam das Stadtrecht und blieb die nächsten Jahrhunderte ein kleiner städtischer Marktflecken. [10] Von 1416 an bis zum Ende des Ersten Weltkrieges und dem damit verbundenen Untergang der Monarchie in Deutschland verblieb Potsdam im Besitz der Hohenzollern. Der verheerende Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) und zwei Großbrände verwüsten die Stadt.
Aufstieg als Residenzstadt
Mit dem kurmärkischen Landtag 1653, auf dem der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm I. die Macht des Landadels einschränkte, begann die absolutistische Zeit in Brandenburg. Seine Regierungszeit war eine der einflussreichsten in der Geschichte Brandenburgs und Potsdams. Er kaufte die einzelnen verpfändeten Stadtgebiete zusammen und entschloss sich, die Stadt zu seiner zweiten Residenz neben Berlin auszubauen. Mit dem Ausbau des aus der Burg im 16. Jahrhundert entstandenen Stadtschlosses und der Verschönerung der Umgebung durch den Großen Kurfürsten entstand ab 1660 ein Entwicklungsschub.
Erst mit Hilfe des Toleranzediktes von Potsdam im Jahre 1685 konnten aufgrund steigender Immigration die Landstriche neu bevölkert werden. Vor allem die verfolgten, protestantischen Hugenotten aus Frankreich flohen in den Schutz der brandenburgischen Gebiete. Etwa 20.000 Menschen folgten dem Angebot und verhalfen der Wirtschaft mit ihrem Fachwissen zum Aufschwung.
Unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. wurde die Stadt ein wichtiger Garnisonsstandort des preußischen Heeres. Damit verbunden war auch die Ansiedlung verschiedener für das Militär wichtiger Handwerker. Das führte zu einem starken Anwachsen der Einwohnerzahl (die Soldaten eingerechnet) und erforderte den Bau neuer Wohnquartiere als erste und zweite Stadterweiterung. Sein Sohn Friedrich II. der Große schätzte die Gedanken der Aufklärung und reformierte den preußischen Staat. Er veranlasste ab 1745 bedeutende Bauprojekte in Potsdam, darunter das Schloss Sanssouci, das Neue Palais und den Umbau des Stadtschlosses.
Im Oktober 1806 erreichte Napoléon Bonaparte mit seinen Truppen die Stadt Potsdam. Die nachhaltige Wirkung der Besatzungszeit führte zu Reformen im Staatswesen. Napoleon besuchte das Grab Friedrichs des Großen in der Gruft der Garnisonkirche. Nach dem Ende der napoleonischen Besatzung entwickelte Friedrich Wilhelm III. die Stadt ab 1815 zu einem Verwaltungszentrum. Es siedelten sich zahlreiche Regierungsbeamte in Potsdam an. 1838 ging mit der Strecke Potsdam-Berlin die erste Eisenbahnlinie Preußens in Betrieb.
Die zunehmenden Spannungen in der Zeit des Vormärzes entluden sich in der Märzrevolution von 1848. Das Volk kämpfte auf den Barrikaden im benachbarten Berlin für eine liberale Verfassung. Nach den tödlichen Schüssen des Militärs hatte Friedrich Wilhelm IV. den 187 Toten auf dem Berliner Schloßplatz seine Reverenz erwiesen. Im März siedelte der König in die vermeintlich ruhigere Nachbarstadt Potsdam um. Doch im September 1848 sprang der Funke der Revolution auch auf Potsdam über. Meuternde Soldaten versammelten sich diskutierend vor dem Neuen Palais. Als die Soldaten versuchten, gefangene Kameraden aus dem Arrest zu befreien, wurde der Aufstand schnell von preußischen Elitetruppen niedergeschlagen. [11] Nach den Wirren der unvollendeten Revolution war die Restauration der alten Machtverhältnisse das vorherrschende Ziel. Es wurden zahlreiche ambitionierte Bauprojekte vorangetrieben, so auch die Nikolaikirche (1850) und die katholische Kirche St. Peter und Paul im Jahre 1867. Die hohen Bauten prägen noch heute das Stadtbild. Seit 1911 hatte Potsdam einen 25 Hektar großen Luftschiffhafen an der Pirschheide, im selben Jahr wurde das Filmstudio Babelsberg gegründet.
Im Jahr 1914 unterzeichnete der letzte preußische König und deutsche Kaiser Wilhelm II. im Neuen Palais die Kriegserklärung gegen die Entente-Mächte. [12] Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs endete auch die Ära der Monarchie mit der Novemberrevolution und Wilhelm II. floh 1918 ins Exil nach Holland. Die Stadt Potsdam verlor damit ihren Status als Residenzstadt endgültig.
Weimarer Republik und Nationalsozialismus
Der verlorene Krieg verschärfte die Not und das Elend in Deutschland. Das umfangreiche Eigentum der Hohenzollern an Schlössern und Grundbesitz ging zum größten Teil in Staatseigentum über. Die Zeit während und nach dem Ersten Weltkrieg war gekennzeichnet durch zahlreiche Auseinandersetzungen zwischen den politischen und paramilitärischen Kräften im Staat.
Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus fand am 21. März 1933 der Tag von Potsdam statt. Bei dem inszenierten Staatsakt reichte der greise Reichspräsident Paul von Hindenburg dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler die Hand. Dies sollte als symbolische Geste für ein Bündnis der alten Ordnung mit dem Nationalsozialismus verstanden werden. Die konstituierende Sitzung des Reichstags fand ohne die Sozialdemokraten und Kommunisten in der Potsdamer Garnisonkirche statt, da der Berliner Reichstag aufgrund des Brandschadens nicht zur Verfügung stand. Das Ereignis wurde landesweit im Rundfunk übertragen.
Das Stadtzentrum Potsdams wurde in der letzten Phase des Zweiten Weltkrieges am 14. April 1945 durch einen alliierten Bombenangriff beschädigt. Da ein großer Teil der schweren Bomben und Luftminen in die südlich des Hauptbahnhofs gelegenen Ravensberge fiel, verringerten sich die Schäden im Stadtgebiet. Das Gebiet zwischen dem Alten Markt und der Freundschaftsinsel wurde stark beschädigt, vom Stadtschloss blieben nur noch die Außenmauern übrig. Der Lange Stall explodierte durch eingelagerte Munition und steckte durch Funkenflug die in der Nähe stehende Garnisonkirche in Brand. Ähnlich beschädigt wurden auch weite Teile der nördlichen Vorstadt in der Nähe der Glienicker Brücke. Weitgehend erhalten blieb das Gebiet um den Neuen Markt, die Nikolaikirche sowie kleine zusammenhängende Teile der Altstadt, wie das Holländische Viertel. Bereits kurz nach dem Angriff wurde die Stadt von den Nationalsozialisten zur Festung erklärt. In den Kämpfen der letzten Kriegstage wurde hochstehende Türme durch die sowjetische Artillerie beschossen. Der Turm der Heiligengeistkirche brannte bis auf einen Stumpf nieder, die Nikolaikirche erhielt so schwere Schäden, dass sie erst 36 Jahre später wieder eingeweiht werden konnte. Am 27. April 1945 wurde Potsdam schließlich durch die Rote Armee eingenommen und der Zweite Weltkrieg endete für die Stadt.
Geteiltes Deutschland
Im Schloss Cecilienhof, dem Wohnsitz des letzten deutschen Kronprinzen Wilhelm von Preußen, fand vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 die Potsdamer Konferenz der Siegermächte USA (Harry S. Truman), Großbritannien (zunächst Winston Churchill, später Clement Richard Attlee) und Sowjetunion (Stalin) statt. Die Konferenz endete mit dem Potsdamer Abkommen, welches die deutsche Besatzung in vier Zonen besiegelte.
Mit der Gründung der DDR wurde Potsdam von 1952 bis 1990 zum Verwaltungssitz des neugegründeten Bezirkes Potsdam. Am 25. Juli 1952 nahm der Landtag Brandenburg das Gesetz „Maßnahmen zur Änderung der staatlichen Struktur der DDR“ einstimmig an, und teilte das Land Brandenburg in die drei Bezirke Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus. [13]
Die sozialistische Regierung hatte ein gespaltenes Verhältnis zum Erbe Preußens. Einerseits erkannte man die kulturellen und künstlerischen Leistungen an, dennoch sah man in zahlreichen Bauten den Ausdruck eines Militarismus und bevorzugte den Abriss statt Wiederaufbau historischer Bauwerke. In den ersten Jahren wurden Gebäude in aufwendigeren Stilen gebaut, um sie in das Stadtbild einzupassen. Unter dem zunehmenden ökonomischen Druck wurde später auf die günstigere Plattenbauweise umgestiegen, so wurden die neueren Stadtviertel im Süden wie Schlaatz, Waldstadt II und Drewitz in einem einheitlichen Baustil errichtet.
1949 wurde Ost-Berlin zur Hauptstadt der DDR erklärt. Mit dem Mauerbau verlor Potsdam 1961 seinen direkten Anschluss zum Nachbarn West-Berlin. Damit wurde die Berliner Mauer auch in Potsdam zur Grenze zwischen Ost und West. Bemerkenswert ist die kleine westliche Exklave Berlin-Steinstücken, die isoliert in Babelsberg verblieb. Der Übergang an der Glienicker Brücke war als Grenzübergang den Militärmissionen der vier Besatzungsmächte Berlins vorbehalten und wurde während des Kalten Krieges zum Austausch der Spione genutzt. Beim spektakulärsten Transfer 1962 wurde der sowjetische Spion Rudolf Iwanowitsch Abel gegen den US-Piloten Francis Gary Powers getauscht. Direkt nach dem Mauerfall 1989 konnte die Brücke als „Brücke der Einheit“ von der Bevölkerung wieder genutzt werden.
Jüngere Vergangenheit
Mit der Wiedergründung des Landes Brandenburg nach der Deutschen Einheit 1990 wurde Potsdam dessen Hauptstadt. Es existieren seither verschiedene Initiativen zur Rekonstruktion einiger zerstörter Gebäude der Innenstadt, so beispielsweise der Garnisonkirche oder des Stadtschlosses. Bereits 1990 wurden weite Teile der Kulturlandschaft Potsdams zum UNESCO-Welterbe ernannt. Ein architektonisch anspruchsvoller Neubau steht seit 1997 an Stelle der Heiligengeistkirche, in ihm ist ein Altenpflegeheim eingerichtet. Das eintausendjährige Bestehen der Stadt konnte offiziell 1993 gefeiert werden. Der 1963 zugeschüttete Stadtkanal wurde teilweise in Anlehnung an seinen alten Verlauf wieder freigelegt. Im Jahr 2001 fand in Potsdam unter dem Motto „Gartenkunst zwischen gestern und morgen“ die Bundesgartenschau statt. 2004 erhielt die Stadt die Goldmedaille beim Bundeswettbewerb Unsere Stadt blüht auf. Potsdam bewarb sich neben 16 weiteren Städten um den Titel der Kulturhauptstadt Europas 2010, gewählt wurde die Ruhrstadt Essen.
Militärgeschichte
Potsdam hatte stets eine ausgeprägte, aber wechselhafte militärische Vergangenheit. Die militärischen Befehlshaber waren zahlreich: von der preußischen über die kaiserliche Armee, Reichswehr, Wehrmacht, Roter Armee bis zur NVA und letztendlich zur Bundeswehr.
Als Residenz der preußischen Könige wurde die Stadt schnell zur Garnisonsstadt ausgebaut. Militärische Anlagen dominierten lange Zeit das Stadtbild und die Struktur der Bevölkerung, so dass der liberale Freidenker Alexander von Humboldt die Stadt 1854 als „öde Kasernenstadt“ [14] bezeichnete. Bekannt wurden die Langen Kerls, die preußischen Gardesoldaten mit überdurchschnittlicher Körpergröße.
1945 übernahmen die Rote Armee und später die NVA die Mehrzahl der Kasernen. Nach der Wiedervereinigung war eine Armee in der bisherigen Größe nicht mehr erforderlich, so entstand der Volkspark Potsdam im Rahmen der Bundesgartenschau 2001 auf einem ehemalig militärisch genutzten Gelände in Potsdam-Bornstedt.
Seit Juli 2001 befindet sich das Einsatzführungskommando der Bundeswehr im Wildpark-West nahe Geltow bei Potsdam. Es ist das Führungskommando für alle Auslandseinsätze der Bundeswehr, auch in Kombination mit anderen Nationen. Von hier werden die Einsätze der ISAF, EUFOR, KFOR, OEF Marine, UNIFIL und die deutsche Beteiligung an Missionen der UN auf operativer Ebene geführt. [15]
Eingemeindungen
Das Stadtgebiet Potsdams war bis Ende des 19. Jahrhunderts noch relativ klein. Zur Stadt Potsdam zählten außer der Innenstadt nur die Teltower, Brandenburger, Berliner, Jäger- und Nauener Vorstadt. Durch das Anwachsen der Bevölkerung und Bebauung musste das Stadtgebiet mehrmals erweitert werden. Dies geschah in mehreren Abschnitten mit der Eingliederung von benachbarten Rittergütern beziehungsweise Teilen davon. Damit wuchs das Stadtgebiet von 893 ha im Jahre 1836 auf 1.350 ha im Jahre 1905. 1928 wurde der Park von Sanssouci mit den Schlössern sowie ein großer Teil der Insel Tornow (heute Herrmannswerder) sowie 6 Gutsbezirke mit Brauhaus- und Telegraphenberg in das Stadtgebiet eingegliedert. Danach betrug die Stadtfläche 3.206 ha. 1935 wurden Bornim, Bornstedt, Eiche und Nedlitz eingemeindet, 1939 folgten die Industriestadt Babelsberg und weitere Dörfer. 1952 wurden einige dieser Gemeinden wieder selbständig. Im Oktober 2003 erreichte das Stadtgebiet nach zwei neuen Eingemeindungsprozessen im Rahmen der landesweiten Kreisgebietsreform seine heutige Ausdehnung.
Es wurden im Einzelnen eingemeindet:
| Datum | Eingemeindung |
|---|---|
| 01.04.1926 | Gutsbezirke Plantagenhaus, Potsdam-Gut und Tornow aus dem Kreis Zauch-Belzig |
| 01.08.1935 | Bornim, Bornstedt, Eiche¹ und Nedlitz |
| 01.04.1939 | Babelsberg, Golm ¹, Grube ¹, Schlänitzsee ¹, Nattwerder ¹, Fahrland ¹, Neu-Fahrland ¹, Sacrow, Geltow ¹, Wildpark-West ¹, Drewitz, Bergholz-Rehbrücke ¹ und Krampnitz ¹ |
| 11.06.1950 | Wilhelmshorst (gehört heute zu Michendorf)¹ |
| 05.12.1993 | Eiche und Grube |
| 26.10.2003 | Fahrland, Golm, Groß Glienicke, Marquardt, Neu Fahrland, Satzkorn und Uetz-Paaren (zusammen 60% Gebietserweiterung) |
|
¹ diese Orte wurden 1952 im Rahmen der Gebietsreform in der DDR noch einmal ausgegliedert, 1993 bzw. 2003 jedoch zum Großteil wieder eingegliedert. | |
Einwohnerentwicklung und Demografie
Die Stadt Potsdam blieb seit der Gründung 993 im Mittelalter und in der frühen Neuzeit eine kleine Stadt mit geringer und relativ konstanter Einwohnerzahl. Aufgrund der Verwüstungen und der Hungersnöte des Dreißigjährigen Krieges fiel die Einwohnerzahl auf einen Tiefpunkt von 700 im Jahr 1660. Nach der Entwicklung als brandenburgische Residenzstadt stieg die Einwohnerzahl konstant an, so erhöhte sich zwischen 1713 und 1820 die Anzahl der Menschen von 1.500 auf 20.000. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert verdreifachte sich die Bevölkerung bis 1900 auf 60.000. Am 1. April 1939 wurde Potsdam durch die Eingemeindung der ca. 30.000 Einwohner zählenden Stadt Babelsberg und anderer Orte zur Großstadt.
Während des Zweiten Weltkrieges sank die Einwohnerzahl. In den folgenden Jahren stieg sie jedoch wieder an. Seit der Wiedervereinigung 1990 fiel die Bevölkerungszahl bis 1999 um 13.000 Personen auf 129.000, stieg dann auf Grund zahlreicher Eingemeindungen und durch Zuzug von 19.000 Personen auf den historischen Höchststand von etwa 149.000 Einwohnern im Dezember 2006.
Die Zahl der Einwohner der Stadt wächst in den letzten Jahren beständig, zum einen gibt es mehr Geburten als Sterbefälle, zum anderen übersteigt die Anzahl der Zuzüge die der Fortzüge. Seit 2003 zählt die Stadt durchschnittlich 1500 neue Einwohner pro Jahr. [16] Die Bertelsmann Stiftung prognostiziert 161.000 Einwohner im Jahr 2020.
Siehe auch: Einwohnerentwicklung von Potsdam.
Heute sind neben den Einwohnern mit Hauptwohnsitz zusätzlich rund 7.000 Menschen mit Nebenwohnsitz gemeldet. [16] Die Stadt zählt hinsichtlich des Durchschnittsalters der Bewohner zu den jüngsten Landeshauptstädten. Mit durchschnittlich 41,2 Jahren ist Potsdam nach Mainz mit 41,0 Jahren und Kiel mit 41,1 Jahren die drittjüngste Landeshauptstadt. Dies ist vor allem auf den hohen Anteil von 15 Prozent Studierenden in der Bevölkerung zurückzuführen. Mit einer relativ hohen Geburtenrate von 9,4 Promille und der niedrigsten Sterberate von 8,1 Promille hatte Potsdam im Jahr 2004 das höchste natürliche Bevölkerungswachstum aller Landeshauptstädte. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung in Potsdam stagniert seit Jahren um 4,5 Prozent. Derzeit leben in der Stadt rund 6.000 ausländische Bürger, insbesondere aus den osteuropäischen Staaten. [17]
Religionen
Christentum
Die Geschichte des Christentums in der Stadt Potsdam ist geprägt von einem Nebeneinander der Glaubensgemeinschaften und religiösen Ansichten. Insbesondere durch Immigration religiös verfolgter Gruppen wurde die Vielfalt im Glauben verstärkt.
Die Stadt Potsdam gehörte anfangs zur christlichen Propstei Spandau des 949 gegründeten Bistums Brandenburg. Im Jahr 1541 führte der Kurfürst von Brandenburg die Reformation ein. Danach teilte die Stadt die Geschicke des gesamten Landes Brandenburg und war über Jahrhunderte eine überwiegend protestantisch geprägte Stadt. Vorherrschend war das lutherische Bekenntnis, jedoch gab es auch reformierte Gemeindeglieder. Seit 1730 war Potsdam Sitz einer eigenen kirchlichen „Inspektion“, die für die Stadt und das Amt Potsdam zuständig war. In jener Zeit kam es zu Streitigkeiten zwischen den Lutheranern und den Reformierten. Letztere hielten zunächst in der Schlosskirche ihre Gottesdienste ab, jedoch erhielten sie später die Garnison- und Heiliggeistkirche gemeinsam mit den Lutheranern. Ab 1723 gab es auch eine Französisch-Reformierte Gemeinde, welche 1753 die Französische Kirche erhielt.
1817 wurden beide christlichen Konfessionen innerhalb Preußens zu einer einheitlichen Landeskirche, der Unierten Kirche vereinigt. Somit gehörten die protestantischen Gemeinden Potsdams zur Evangelischen Kirche in Preußen, deren Oberhaupt der jeweilige König von Preußen als „summus episcopus“ war. Nach Wegfall des Landesherrlichen Kirchenregiments im Jahr 1918 war die Provinzialkirche Brandenburgs Gründungsmitglied der „Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union“. 1947 wurde sie eine selbständige Landeskirche als Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg mit einem Bischof an der Spitze. Im Jahr 2004 fusionierte die Kirche mit der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz zur Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Die protestantischen Kirchengemeinden Potsdams gehören heute – sofern es sich nicht um Freikirchen handelt – zum Kirchenkreis Potsdam, dessen Sitz (Generalsuperintendentur) sich ebenfalls in Potsdam befindet.
Als Reaktion auf die Zwangsvereinigung zwischen der lutherischen Kirche und der reformierten Tradition zur Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, entstand die Evangelisch-Lutherische (altlutherische) Kirche Preußens. Die Altlutheraner bestanden auf ihre Religionsfreiheit, indem sie uneingeschränkt lutherische Gottesdienste, Verfassung und Lehre forderten. Nach harter Verfolgungszeit seitens des Staates konnte sie sich 1841 unter König Friedrich Wilhelm IV konstituieren und wurde anerkannt. Mitten in der Verfolgungszeit entstand 1835 aus der unierten Landeskirche die Evangelisch-Lutherische Christuskirchengemeinde, die sich dem Oberkirchenkollegium der evangelisch-lutherischen (altlutherischen) Kirche in Breslau unterstellte. Geweiht wurde ihre Kirche in der Behlertstraße, die im Jugendstil erbaut wurde und unzerstört blieb, aber erst 1902. Diese Kirchengemeinde gehört heute zum Kirchenbezirk Berlin-Brandenburg der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche.
Neben den landeskirchlichen Gemeinden gibt es auch mehrere Freikirchen in Potsdam. So gab es unter anderem bereits sehr früh eine Herrnhuter Brüdergemeine.
Da Potsdam Garnisonsstadt war, gab es auch katholische Soldaten in der Stadt, die ab 1722 in einer kleinen Fachwerkkirche ihre Gottesdienste abhielten. 1868 entstand am Bassinplatz die katholische Kirche St. Peter und Paul. Die katholischen Bistümer im Norden Deutschlands waren während der Reformation untergegangen, daher entwickelten sich erst im 18. Jahrhundert wieder katholische Kirchenstrukturen. So konnte zum Beispiel ab 1747 in Berlin die Kirche St. Hedwig – heute Bischofskirche des Erzbistums Berlin – erbaut und 1773 eingeweiht werden. Nach der Säkularisation 1803 konnte sich der Katholizismus weiter ausbreiten und 1821 wurde im gesamten Deutschen Bund die katholische Kirche neu organisiert. Der Papst errichtete 1821 die „Fürstbischöfliche Delegatur Berlin-Brandenburg-Pommern“. An ihrer Spitze stand der Propst von Sankt Hedwig in Berlin als Breslauer Delegat im Erzbistum Breslau. Zu diesem Kirchengebilde gehörten auch die Katholiken Potsdams, bis am 13. August 1930 das Bistum Berlin als Suffraganbistum von Breslau errichtet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet der Kirchenprovinz Breslau getrennt. Daher wurde das Bistum Berlin exemt, es unterstand somit direkt dem Papst. Im Zuge der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurden auch die kirchlichen Strukturen den neuen Gegebenheiten angepasst. So wurde 1994 das Bistum Berlin zum Erzbistum erhoben. Ihm wurden die beiden Suffraganbistümer Dresden-Meißen und Görlitz zugeordnet. Die Pfarrgemeinden Potsdams gehören somit heute zum Dekanat Potsdam des Erzbistums Berlin.
Aktuell leben in Potsdam mehr als 30.000 Christen verschiedener Konfessionen, dies entspricht 20% der Bevölkerung. Davon gehören etwa 25.000 den 22 evangelischen und ca. 5.000 den beiden katholischen Gemeinden der Stadt an. Die verschiedenen freien Kirchengemeinschaften zählen zusammen ebenfalls mehrere Tausend Gläubige. [18]
Judentum
In Potsdam gibt es ebenfalls noch zwei jüdische Gemeinden. Eine gehört dem Zentralrat der Juden in Deutschland an, sie wird von einem Rabbiner der Bewegung Chabad Lubawitsch betreut und hat heute ca. 350 Mitglieder. Die zweite Gemeinde ist vom Zentralrat völlig unabhängig und nennt sich „Gemeinde gesetzestreuer Juden“. Zudem ist Potsdam Sitz des liberalen Abraham-Geiger-Kollegs. Dies ist bislang das einzige Rabbinerseminar in Deutschland. Die ursprüngliche jüdische Synagoge in Potsdam wurde während der Pogrome der Reichskristallnacht 1938 geplündert. Endgültig zerstört wurde das Gebäude aufgrund der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg im Jahre 1945. Seitdem gibt es keine jüdische Synagoge mehr in Potsdam, ein Neubau ist allerdings geplant (Stand 2006). [19]
Islam
Es gibt keine aktuellen, zuverlässigen Schätzungen über die Anzahl der Muslime in Potsdam. Eine größere muslimische Gemeinde oder eine bekannte Moschee in der Stadt gibt es nicht. Historisch war Preußen sehr tolerant in religiösen Angelegenheiten. Der preußische König Friedrich II. der Große erklärte 1740:
- „Alle Religionen seindt gleich und guht, wan nuhr die Leute, so sie profesieren [öffentlich bekennen], erliche Leute seindt, und wen Türken und Heiden kähmen und wolten das Land pöbplieren [bevölkern], so wollen wier sie Mosqueen und Kirchen bauen.“ [20]
Bereits im Jahr 1732 ließ der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. in Potsdam am Langen Stall einen Gebetssaal für zwanzig seiner türkischen Gardesoldaten und damit die erste Moschee auf deutschem Boden errichten. Der Lange Stall wurde allerdings während des Zweiten Weltkrieges 1945 zerstört, heute steht nur noch die aufwendige Frontfassade als ein Potemkinsches Dorf.
Atheismus
Fast 80 Prozent der Bevölkerung gehören zumindest offiziell keiner Religion an. Dies ist vor allem eine Folge der religiösen Diskriminierung in der DDR, welche eine fortschreitende Säkularisierung bewirkte.
Politik
Verwaltung
An der Spitze der Stadt stand seit 1345 ein Consul beziehungsweise ab 1450 ein Bürgermeister. Ein Rat ist ab 1465 nachweisbar. Im 16. Jahrhundert und im 17. Jahrhundert hatte der Rat 4 bis 5 Mitglieder, darunter auch den Bürgermeister. Später hatte der jeweilige Landesherr einen starken Einfluss auf die Stadtverwaltung. Ab 1722 gab es für die Altstadt und die Neustadt einen Magistrat, an der Spitze stand ein Stadtdirektor. 1809 wurde Potsdam eine kreisfreie Stadt mit einem Oberbürgermeister an der Spitze sowie mit einer Stadtverordnetenversammlung als gewähltem Gremium. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Stadtverordnetenversammlung aufgelöst und der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildete die sowjetische Besatzungszone den Rat der Stadt mit einem Oberbürgermeister. Der Rat wurde vom Volk in einer Einheitsliste der Nationalen Front gewählt.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wird die Stadtverordnetenversammlung wieder frei gewählt. Sie ist das Hauptorgan der Stadtverwaltung und die Vertretung der Bürgerinnen und Bürger. Die Stadtverordnetenversammlung wurde zuletzt im Oktober 2003 für eine fünfjährige Amtszeit gewählt, die nächste reguläre Kommunalwahl ist demnach 2008. Die Bezeichnung des Vorsitzenden war von 1990 bis 1999 Stadtpräsident und seither Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung. Der Vorsitzende wird ebenfalls direkt von den Bürgern gewählt.
Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Potsdam hat seit der Kommunalwahl 2003 insgesamt 50 Mitglieder, die sich auf die einzelnen Parteien wie folgt verteilen: [21]
| Jahr | PDS | SPD | CDU | GRÜNE | Andere | 4 Sonstige | Gesamt |
| 2003 | 18 | 10 | 10 | 3 | 3 | 6 | 50 |
Bei den letzten, direkten Oberbürgermeister-Wahlen im September 2002 konnte keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erringen. Daher musste durch eine Stichwahl im Oktober 2002 zwischen Jann Jakobs (SPD) und Hans-Jürgen Scharfenberg (PDS) das neue Stadtoberhaupt ermittelt werden. Dabei konnte sich Jann Jakobs mit einer denkbar knappen Mehrheit von 50,1 Prozent durchsetzen. Er übernahm das Amt von Matthias Platzeck der Ministerpräsident des Land Brandenburg wurde. Die Tagespolitik wird in wechselnden Mehrheiten organisiert. Aufgrund der starken Zergliederung der Stadtverordnetenversammlung ist die Mehrheitsbeschaffung je nach Thema schwierig, so hätten selbst SPD, CDU und Grüne zusammen keine Mehrheit.
Der Landtag Brandenburg hat ebenfalls seinen Sitz in Potsdam in dem Gebäude der ehemaligen königlichen Kriegsschule auf dem Brauhausberg. Das Erscheinungsbild und die vormalige Nutzung des Gebäudes als Sitz der SED-Bezirksleitung brachten den Beinamen Kreml ein. Im Land Brandenburg regiert derzeit eine Große Koalition aus SPD und CDU unter Führung des Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, sein Stellvertreter ist seit Februar 2007 der Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU).
| Oberbürgermeister 1809–1945 | Oberbürgermeister 1945-heute | Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung |
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| 1809–1821 Jakob Brunner | 1945: Dr. Friedrich Bestehorn | 1990–1993: Dr. Helmut Przybilski (CDU) |
| 1821–1844: Wilhelm St. Paul | 1945: Heinz Zahn | seit 1994: Birgit Müller (PDS) |
| 1844–1848: Wilhelm Krüger | 1945–1950: Walter Paul | |
| 1848–1851: B. Gobbin | 1951–1957: Kurt Promitz | |
| 1851–1878: Alexander Beyer | 1957–1961: Wilhelm Rescher | |
| 1878–1897: Reinhold Boie | 1961–1984: Brunhilde Hanke (SED) | |
| 1897–1905: Richard Jaehne | 1984–1989: Wilfried Seidel | |
| 1906–1923: Kurt Vosberg | 1989–1990: Manfred Bille | |
| 1924–1934: Dr. Arno Rauscher | 1990–1998: Dr. Horst Gramlich (SPD) | |
| 1934–1945: Hans Friedrichs (NSDAP) | 1998–2002: Matthias Platzeck (SPD) | |
| seit 2002: Jann Jakobs (SPD) |
Wappen
Das Wappen der Stadt Potsdam zeigt eine stilisierte Variante des Märkischen Adlers auf einem goldenen Schild. Der Märkische Adler und das Wappen stammen aus dem 12. Jahrhundert, sie treten erstmals im Standbildsiegel des Askaniers Ottos I. von 1170 auf, dem Sohn Albrechts des Bären. Der Adler zeigt sich freischwebend von vorn mit ausgebreiteten Schwingen und nach links blickend. Er ist in der Farbe Rot gehalten, golden bewehrt und rot gezungt. Der Wappenschild wird gekrönt von einer gewölbten, fünfzinnigen, roten Mauerkrone. Die Flagge der Stadt Potsdam ist Rot-Gelb mit dem Wappen in der Mitte. Es ist auch auf sämtlichen Straßenbahnen der Stadt zu finden.
Das Symbol des Märkischen Adlers ist weit verbreitet. Er ist Bestandteil vieler Gemeinden, Städte und Bundesländer auf dem Gebiet der ehemaligen Mark Brandenburg. Ein Beispiel für eine Verdrängung durch ein anderes Wappentier zeigen die Siegel- und Wappenbilder Berlins von 1280 bis 1935.
Städtepartnerschaften
Potsdam ist aus seiner Vergangenheit heraus eine international geprägte Stadt, dies zeigt sich auch in der Vielfalt der Städtepartnerschaften. Es lassen sich stets Gemeinsamkeiten in der Historie, Architektur oder Bedeutung zu den Partnerstädten entdecken. Bemerkenswert ist die Partnerschaft zur damaligen bundesdeutschen Hauptstadt Bonn noch während der Zeit der deutschen Teilung 1988. Potsdam unterhält insgesamt sieben Partnerschaften mit den folgenden Städten:
Kommunale Themen
Die Gestaltung des Stadtbildes, insbesondere der Wiederaufbau der historischen Mitte wird seit 1990 kontrovers diskutiert. Die größeren Bauprojekte der 1990er Jahre, wie der neue Hauptbahnhof, die Wilhelmgalerie oder die Bebauung des Glienicker Horns sind aufgrund ihrer Größe, Architektur und Lage umstritten. Besondere Aufmerksamkeit erlebte ab 2005 der Landtagsneubau. Nachdem ein Bürgerentscheid eine relative Mehrheit für den Standort des Stadtschlosses am Alten Markt ergab, ist die endgültige Gestaltung des Gebäudes, insbesondere der Fassade weiterhin umstritten. Während SPD, CDU und Grüne einen möglichst originalen Nachbau bevorzugen, fordert die Linkspartei einen günstigeren, funktionalen Zweckbau. Kontrovers diskutiert wird ebenfalls der Wiederaufbau der Garnisonkirche, nachdem ursprünglich ein originaler Nachbau angestrebt wurde, soll nun ein Versöhnungszentrum mit weitgehend originaler Außengestaltung entstehen. Ein weiteres, großes Bauprojekt ist das Freizeitbad des brasilianischen Architekten Oscar Niemeyers, welches aufgrund der hohen Kosten voraussichtlich in einer reduzierten Version gebaut werden soll.
Ab Januar 2008 könnte das gesamte Potsdamer Stadtgebiet zu einer Umweltzone erklärt werden, welches Fahrverbote für ältere Kraftfahrzeuge bedeuten würde. Ab 2010 kann die Regelung verschärft werden und nur noch grüne Umweltplaketten zugelassen werden. Die Notwendigkeit ist politisch umstritten, da die Feinstaubüberschreitungen gemäß der EU Richtlinie lokal sehr unterschiedlich ausgeprägt sind und zum Teil nur geringfügig oberhalb des Grenzwertes liegen.[23] Eine Alternative ist der Versuch der Einrichtung einer grünen Welle, um den Verkehrsfluss in den betroffenen Straßen zu verbessern.
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaftliche Entwicklung
Die Wirtschaft der Stadt Potsdam konnte sich seit der Wiedervereinigung vergleichsweise positiv entwickeln. Die Arbeitslosenquote ist niedriger als im Durchschnitt der Neuen Bundesländer. Sie betrug im November 2006 9,8 %, dicht gefolgt vom angrenzenden Landkreis Potsdam-Mittelmark. Zum Vergleich beträgt die Arbeitslosenquote im Land Brandenburg und Berlin jeweils 16,3 % und in Gesamtdeutschland rund 9.8 % (Stand März 2007). Die durchschnittlichen verfügbaren Einkommen in Potsdam sind die höchsten unter den Großstädten der Neuen Bundesländer, dicht gefolgt von Jena und Dresden [24] (Stand 2005). Die Einnahmen an Gewerbesteuer betrugen im Jahr 2005 mehr als 44 Millionen Euro und liegen damit auf einem vergleichbaren Niveau mit der Stadt Heidelberg. [25] Der kommunale Schuldenstand ist mit nur 260 € pro Einwohner (allerdings ohne Eigenbetriebe) einer der geringsten in ganz Deutschland.[26]
Diese günstige Entwicklung kann auf mehrere Faktoren zurückgeführt werden. Vor allem war die Wirtschaft der DDR in Potsdam eher an Verwaltung, Dienstleistung und Entwicklung orientiert und weniger an Produktion. Damit wurde der abrupte Strukturwandel / Strukturbruch nach der Wiedervereinigung wesentlich erleichtert im Vergleich zu anderen Städten mit hohen Industrieanteilen. Der historische Standort als Forschungszentrum erleichtert zusätzlich die Anpassung an die Erfordernisse einer modernen Marktwirtschaft mit höheren Ausbildungsniveaus. Zudem ist die geographische Lage im „Speckgürtel“ von Berlin attraktiv, der Anschluss an Infrastruktur wie Autobahn und Flughafen ist vergleichsweise gut ausgebaut.
In der Stadt sind ca. 6.000 Unternehmen ansässig [27], darunter vor allem kleinere und mittelständische. Zudem haben sich forschungsnahe Unternehmen aufgrund der Vielzahl der Forschungsinstitute angesiedelt. Die Region Potsdam und Umgebung ist laut der Untersuchungen der Boston Consulting Group, A. T. Kearney und BioCom der führende Biotech-Standort in Deutschland. Die Region kann auf eine dynamische Entwicklung verweisen und zählt mit insgesamt 160 Unternehmen und 3.200 direkt Beschäftigten zu den bedeutendsten Biotechnologiestandorten in Europa. Insgesamt beschäftigt die Biotechnologiebrache mit ihren verbundenen Organisationen rund 12.000 Menschen in der Region. [28]
Zu den größeren privaten Einzelinvestoren der letzten Jahre zählt unter anderem die Firma Oracle, die 2001 ihre Deutschlandzentrale nach Potsdam verlegte. Direkt daneben entstand eine von weltweit drei VW-Designzentralen. Das Konsortium Toll Collect verlegte seinen Hauptsitz nach Berlin und Potsdam. Die Firma Katjes errichtete 2006 am Produktionsstandort Babelsberg die erste „gläserne Bonbonfabrik“ Europas. [29] Größter privater Investor ist Hasso Plattner, der mit über 200 Mio. Euro ein High-Tech-Zentrum in Form des HPI finanzierte. [30]
Verkehr
Potsdam ist durch die Nähe zu Berlin gut an das Netz der Bundesautobahnen angeschlossen. Die Stadt wird im Westen und Süden vom sogenannten Berliner Ring der A 10 und im Osten von der Autobahn A 115 umgeben, die im Berliner Stadtgebiet auch als AVUS bezeichnet wird. Mehrere Bundesstraßen verlaufen durch das Stadtgebiet, zu ihnen zählen die B 1, B 2 und B 273. Die Stadt liegt an der deutsch-niederländischen Ferienstraße Oranier-Route.
Die Landstraße L 40 erschließt das südliche Berliner Umland über Stahnsdorf, Teltow, Mahlow, Schönefeld nach Berlin (Treptow-Köpenick) und wird im Potsdamer Stadtgebiet als Nuthe-Schnellstraße (Kraftfahrstraße) bezeichnet. Diese Straße verbindet Potsdam mit den Bundesstraßen B 101, B 96 und B 179.
Potsdam wird tangiert von der Unteren Havel-Wasserstraße. Sie ist die wichtigste Ost- West Verbindung auf der Wasserstraße zwischen der Oder Berlin und der Elbe. Der Hafen an der Langen Brücke in Potsdam wird von den Schiffen des Unternehmens Schiffahrt in Potsdam, der Haveldampfschiffahrt und Gastliegern von Unternehmen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern genutzt. In der Alten Fahrt der Havel an der Freundschaftsinsel gibt es Anleger für den privaten Wassersport.
| Berlin-Potsdam-Magdeburg | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Griebnitzsee
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| Potsdam-Babelsberg
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| Potsdam Hauptbahnhof
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| Potsdam Charlottenhof
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| Potsdam Park Sanssouci
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| Werder (Havel)
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| Groß Kreutz
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| Götz
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| Brandenburg Hauptbahnhof
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| Magdeburg Hauptbahnhof
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Von der Stadt aus führen Bahnlinien in die Richtungen Berlin, Flughafen Berlin-Schönefeld, Jüterbog, Dessau, Brandenburg an der Havel, Hennigsdorf und Senftenberg. Die Berlin-Potsdamer Eisenbahn (Abbildung) war die erste Eisenbahnstrecke Preußens und wird deshalb auch Stammbahn genannt. Sie schuf eine Verbindung zwischen den Städten Berlin, Zehlendorf und Potsdam. 1845 wurde die Strecke als Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn bis nach Magdeburg fortgeführt. Eisenbahnbetrieblich ist Potsdam jedoch kein eigenständiger Knotenpunkt, stattdessen gehören seine Bahnanlagen zum Eisenbahnkomplex Berlin, dem Berliner Außenring. Zu diesen Bahnhöfen gehören der Bahnhof Potsdam Pirschheide, Bahnhof Golm und Bahnhof Marquardt, sowie der südlich von Potsdam gelegene Rangierbahnhof Seddin.
Den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen außer der S-Bahn Berlin verschiedene Straßenbahn- und Stadtbuslinien der Verkehrsbetriebe in Potsdam GmbH (ViP). Die Havelbus Verkehrsgesellschaft mbH betreibt mit mehr als 200 Regiobussen die Linien von Potsdam in den Landkreis Potsdam-Mittelmark sowie den Landkreis Havelland und zudem die Linien in die 2003 eingemeindeten Stadtteile. Alle Linien sind zu einheitlichen Preisen innerhalb des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) zu benutzen.
Potsdam ist aufgrund der Nähe zur Stadt Berlin sehr gut an das internationale Flughafennetz angeschlossen. Die Entfernung zum Flughafen Berlin-Tegel und zum Flughafen Berlin-Schönefeld beträgt jeweils weniger als 20 km. Der neue Flughafen Berlin Brandenburg International soll ab 2011 die Kapazitäten wesentlich erhöhen.
Siehe auch: Liste der Bahnhöfe im Raum Berlin für alle Bahnhöfe