Das CineDat-Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Phonologie

Aus CineDat.

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Phonologie (auch: Phonemik) als Teil der Lautlehre (hier spez. "Sprachgebilde-Lautlehre") ist ein Teilgebiet der Linguistik. Sie untersucht Systeme von Phonemen, den kleinsten bedeutungsunterscheidenden Elementen von Sprachen (die kleinsten bedeutungstragenden Elemente einer Sprache werden Morpheme genannt und fallen vornehmlich in den Aufgabenbereich der Morphologie). Die Phonologie beschäftigt sich mit den Lauten als Einheiten im System einer Sprache, während sich die Phonetik ("Sprechakt-Lautlehre") mit der detaillierten Beschreibung dieser Laute (Phone) unabhängig von Systemüberlegungen befasst.

Inhaltsverzeichnis

Aufgabengebiete

Ein Ziel der Phonologie ist es, ein Phoneminventar einer Sprache zu erstellen. Dabei bedient man sich u.a. so genannter Minimalpaare (Wörter, die sich nur in einem Laut unterscheiden wie z.B. dt.: [kʊtːɐ] („Kutter“) und [fʊtːɐ] („Futter“)). Im Beispiel vorher wären dies /k/ und /f/. Eine weitere Aufgabe besteht darin, Allophone, d.h. verschiedene phonetische Realisierungen eines zu Grunde liegenden Phonems in bestimmten, lautlichen Umgebungen, zu finden. Ein Beispiel dafür stellen der deutsche „ich“- ([ç]) und „ach“-Laut ([x] bzw. auch [χ]) dar, die phonetische Realsierungen ein und des selben Phonems in unterschiedlichen Umgebungen ([ç] nach Sonanten, s.g. vorderen Vokalen und Diphthongen wie [i], [ɪ], [e], u.a.; [x] nach s.g. hinteren und zentralen Vokalen und Diphthongen wie [a], [u], [ʊ], u.a) sind.

Ein anderer Aufgabenbereich der Phonologie ist die Entwicklung von phonologischen Regeln, die lautliche Erscheinungen erklären, so z.B. die oben erwähnte Verteilung von [ç] und [x] oder die Vokalharmonie im Türkischen oder Finnischen. Weiters sollen phonologische Prozesse, wie Assimilation, Dissimilation, Epenthese, Syn- und Apokope u.a. erklärt werden.

Ein anderer, wichtiger Bereich der Phonologie beschäftigt sich mit den distinktiven Merkmalen. Dabei unterscheidet man z.B. die „Oberklassenmerkmale“ wie „konsonantisch“ oder „sonorantisch“ von den „laryngalen Merkmalen“ (bspw. Stimmhaftigkeit oder Aspiration), den Merkmalen der Art der Artikulation (z.B. Nasalität) und den Merkmalen des Ortes der Artikulation (z.B. Labialität). Merkmale können entweder binär (z.B. Stimmhaftigkeit kann [+sth] oder [-sth] sein) oder, nach manchen Theorien, auch privativ (entweder vorhanden oder nicht, v.a. bei den Ortsmerkmalen wie [labial], [dorsal], etc.[1]) sein.[2] Laute können demnach als Matrix von verschiedenen Merkmalen dargestellt werden (lineare Phonologie). Allerdings gibt es auch eine nicht-lineare Phonologie, die Merkmale in Merkmalsbäumen darstellt und versucht, Tonsprachen (Sprachen, in denen die Tonhöhe bedeutungsunterscheidend ist wie in den chinesischen Sprachen) adäquat zu beschreiben.

Zur Darstellung von Phonemen wird ebenso wie in der Phonetik das Internationale Phonetische Alphabet (IPA) benutzt.

Siehe auch

wikt:
Wiktionary
Wiktionary: Phonologie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen

Literatur

  • T. Alan Hall: Phonologie. Eine Einführung. Walter de Gruyter Verlag, Berlin, 2000, ISBN 3-11-015641-5

Fußnoten

  1. Diese Merkmale sind nicht + oder -, sondern vorhanden oder nicht vorhanden. Zum Teil schließen sie sich auch gegenseitig aus.
  2. Siehe auch: Hall, 2000: S. 101 - 138
Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Phonologie, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge