Das CineDat-Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Peter der Große

Aus CineDat.

Wechseln zu: Navigation, Suche
Bild:Peter der-Grosse 1838.jpg
Peter I. der Große

Peter I. der Große, (russisch Пётр I Великий), * 30. Mai/9. Juni 1672 in Moskau; †  28. Januar/8. Februar 1725 in Sankt Petersburg, war von 1682 bis 1721 Zar und Großfürst von Russland und von 1721 bis 1725 der erste Kaiser des Russischen Imperiums. Er gilt bis heute als einer der herausragendsten Politiker Russlands.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Am 9. Juni 1672 erblickte Peter im Moskauer Kreml das Licht der Welt. Der Vater des künftigen Kaisers Russlands, Alexei Michailowitsch, hatte zahlreiche Nachkommen – Peter war sein vierzehntes Kind. Peters Mutter war die zweite Frau von Alexei Michailowitsch, Natalia Kirillowna Naryschkina.
Nach dem Tod seines Vaters 1676 und vier Jahre später auch dem Ableben seines älteren Bruders Fjodor III., fand sich der junge Peter ungewollt mitten in einem Kampf um den Thron seines Landes wieder.

1682 wurde er zusammen mit seinem älteren Halbbruder Iwan V. zum Zaren ernannt. Regentin wurde jedoch zunächst Iwans Schwester Sophia, die ihre Macht wesentlich auf die Strelitzen stützte. Sophias Sturz im Jahre 1689 ist Peters Regierungsantritt in Russland. Formal bleibt Iwan bis zu seinem Tode im Jahre 1696 noch Zar neben Peter.

In den ersten Jahren als russischer Monarch beschäftigt sich der junge Zar vorwiegend mit dem Aufbau einer schlagkräftigen Armee. Zahlreiche Kriegspiele bestimmen seinen Alltag. In Preobrashenskoe dient er zunächst als einfacher Soldat,wird 1690 von einer Granate am Kopf getroffen. Erster Soldat und erster Matrose seines Volkes will er sein. 1691 repariert Schiffbauer Karsten Brandt den „Großvater der russischen Flotte“. Mit diesem Schiff unternimmt Peter I. die erste Seereise nach Kolomensk. Zwei Jahre später segelt er von Wologda nach Archangelsk. Im April 1695 zieht das russische Heer gegen Asow, das erst nach langer Gegenwehr im Juli 1696 kapituliert.

Im August 1697 wollte Peter im holländischen Zaandam Erfahrungen im Schiffbau sammeln. Er verbrachte dazu einige Tage im kleinen Holzhaus des Schmiedes Gerrit Kist. Er muss wegen einiger Eskapaden nach acht Tagen die Stadt verlassen. Erfolgreicher verläuft sein Aufenthalt in Amsterdam.

Begleiter auf dieser Reise und fast lebenslang ein enger Vertrauter Peters war Alexander Menschikow. Ein weiterer enger Freund und Zechkumpan, der gebürtige Genfer François Lefort, fungierte als nomineller 1. Gesandter dieser russischen Großen Ambassade in die Niederlande und England (1697/98).

Das weitere Leben des russischen Monarchen wird weitgehend von den Ereignissen des Nordischen Krieges (1700-1724) bestimmt.

Herbst 1724: Der Zar ist gerade von einer schweren Erkrankung genesen, - er leidet an Harnverhaltung - da bricht er zu einer längeren Seereise auf. Sie führt ihn unter anderem nach Schlüsselburg, wo er die Arbeiten am neuen Ladogakanal überprüfen möchte. Am 5. November kehrt er wieder nach St. Petersburg zurück, geht aber nicht an Land, er segelt weiter am Finnischen Meerbusen entlang. Sein Ziel ist die Gewehrfabrik bei Lachta. Zu anbrechender Dunkelheit zieht ein Sturm auf. Unweit vom Ufer des Lachta-Sees entdeckt Peter der Große ein gekentertes Boot. Die Besatzung, Matrosen und Soldaten aus Kronstadt, ringen um ihr Leben. Um zu helfen, watet er bis zur Hüfte in das eiskalte Wasser des Lachta-Sees. Hierbei wird sein persönliches Engagement und seine Rücksichtslosigkeit gegen sich selber deutlich. Es ist gewiss, dass am 8. Februar 1725 die Bewohner in Sankt-Petersburg durch Kirchenglocken geweckt wurden, denn der zweiundfünfzigjährige Zar und Imperator ist an den Folgen seiner Rettungstat gestorben (Blasenleiden in Verbindung mit einer Leberatrophie). Er hinterließ kein Testament.

Reformen

Peter orientierte sich stark am Westen. Er leitete zahlreiche Reformen in Russland ein, die zum Ziel hatten, die russische Kultur der europäischen ähnlicher zu machen. Dazu gehörten die Einführung mittel-westeuropäischer Kleidung, die traditionell langen Bärte wurden mit einer Bartsteuer belegt. Der julianische Kalender wurde in Russland eingeführt, obgleich in Europa in dieser Zeit bereits langsam der gregorianische Kalender übernommen wurde. Auch initiierte er die Akademie der Wissenschaften und führte eine Schriftreform durch. Sankt Petersburg wurde bewusst als eine europäische Stadt gegründet und gefördert. Auch im Hinblick auf Technik und Wissenschaft orientierte sich Peter I. an westlichen Vorbildern.Umfangreiche Veränderungen nahm der russische Monarch in der Verwaltung seines Reiches vor. Grundlage dieses Reformwerkes bildete das schwedische Reglement, das auf die spezifischen Verhältnisse Russlands zugeschnitten wurde. So schuf Peter I. die Bürgermeisterei, richtete einen Senat als oberste Verwaltungsinstanz ein, der neue Gesetze vorbereitete und die örtlichen und zentralen Organe anleitete. Außerdem entstanden in seiner Regierung die Kollegien, etwa den Fachministerien in Westeuropa vergleichbar. Bahnbrechend war die Einführung der Rangtabelle 1722, die die Verwaltungs- und Militärlaufbahnen in 14 Rangklassen einteilte. Das russische Reich hatte man verwaltungsmäßig aufgegliedert in acht Gouvernements und ca. 50 Provinzen.

Wirtschaft

Peter baute eine merkantilistische Wirtschaft auf. Dazu zählt besonders, dass er Manufakturen stark gefördert hat. Beim Amtsantritt Peters existierten in Russland nur 10 Manufakturen. Die Förderung der Industrie stand in engem Zusammenhang mit den Bedürfnissen der Armee während der langen Kriegsjahre. Aber darüber hinaus entstanden auch viele Manufakturen und Fabriken, die Gebrauchsgüter herstellten. Einige Fabriken, unter ihnen die Spiegelfabrik Menschikows, arbeiteten schon für den Export. 1716 wurde das Spinnrad in Russland eingeführt. Noch ein Jahr vor seinem Tod ordnete Peter I. an, dass alle Findelkinder zu Handwerkern und Fabrikanten erzogen werden sollten. In seinem letzten Regierungsjahr gab es etwa 100 Fabriken, darunter einige mit mehr als 3000 Beschäftigten. Herausragend die Waffenfabrik von Tula. Wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Hüttenindustrie hatte der deutsche Bergbauspezialist Baron von Hennin, Vorsitzender des Bergkollegiums. Am Ende der Regierung registriert die Statistik einen ausgeglichenen Staatshaushalt von ca. 10 Mill. Rubel.

Kirche

Zar Peter I. hat die russische Kirche stets als oppositionellen (starken) Gegner seiner Reformen betrachtet. Daher ließ er nach dem Tod des Patriarchen Adrian (1700) die Stelle des höchsten Geistlichen unbesetzt. Besonders verhasst waren ihm die Altgläubigen (Raskolniki), die er durch zahlreiche Gesetze bekämpfte. 1719 werden die Jesuiten aus Russland vertrieben. Ab dem 25. Januar 1721 stellt der Zar die russisch-orthodoxe Kirche endgültig unter Staatsverwaltung. Das Geistliche Kollegium, später „Heiliger Synod“, ersetzt das seit 1593 bestehende Moskauer Patriarchat. Im vorletzten Jahr seiner Regierung holt Zar Peter I. noch zu einem entscheidenen Schlag gegen den Müßiggang in den Klöstern aus.

Außenpolitik

Durch die Umgestaltung der Armee und die Gründung der russischen Flotte konnte Peter der Große im Großen Nordischen Krieg nach anfänglichen Misserfolgen die Schweden zurückdrängen. An der Stelle einer schwedischen Festung (Nyenschanz) gründete er 1703 Sankt Petersburg, die spätere Hauptstadt. In der Schlacht bei Poltawa konnte er am 8. Juli 1709 die Schweden vernichtend schlagen. Damit hatte Russland wieder einen Zugang zur Ostsee im Norden - der Weg zu den Weltmeeren schien frei und Peter gründete die Kaiserlich-Russische Marine. Der Schlacht vorausgegangen war ein Tauschgeschäft zwischen Peter I. und Friedrich Wilhelm I. 1716 kam das Bernsteinzimmer auf die Geschenkliste des Zaren. Nach der gewonnenen Schlacht, das Preußen einen Gebietszuwachs bescherte, „schenkte“ Peter I. 55 Leihsoldaten an Friedrich Wilhelm I., der sie seiner Elitetruppe hinzufügte.

Sonstiges

1721 änderte er seinen offiziellen Titel von Zar in Imperator(Herrscher) (diesen Titel trugen die Zaren offiziell bis 1917). Schon kränkelnd, befahl er in seinem Bemühen, Russland zu modernisieren, am 8. Februar 1724 die Errichtung einer Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg. Seine Sommerresidenz war der Peterhof (siehe auch Neptunbrunnen).

Nachkommen

Aus der Ehe mit Jewdokija Fjodorowna Lopuchina hatte Peter der Große drei Söhne: Alexei (1690 - 1718), Alexander (1691 - 1692) und Paul (1693). Aus der Ehe mit Katharina I. gingen sechs Töchter, darunter die künftige Kaiserin Elisabeth (1709 - 1761) hervor, sowie drei Söhne, die im Kindesalter verstarben.

Literatur

  • Hans-Heinrich Nolte: Kleine Geschichte Rußlands. Reclam-Verlag, Ditzingen 2003, (auch bei bpb) ISBN 3150105412
  • Viktor Ozerski: Herrscher Rußlands von Rurik bis Putin. Phönix-Verlag, Rostow-am-Don 2004, ISBN 5222055450
  • Robert K. Massie: Peter der Große. Sein Leben und seine Zeit. Fischer, Frankfurt/M. 1992, ISBN 3-596-25632-1
  • Reinhold Neumann-Hoditz: Peter der Große. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek 2000, ISBN 3-499-50314-X
  • Alexander Moutchnik: Der „Strelitzen-Aufstand“ von 1698. In: Volksaufstände in Russland. Von der Zeit der Wirren bis zur „Grünen Revolution“ gegen die Sowjetherrschaft, Forschungen zur osteuropäischen Geschichte, Bd. 65, hrsg. Heinz-Dietrich Löwe, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2006, ISBN 3-447-05292-9
  • Reinhard Wittram: Peter der Große, Zar und Kaiser. Zur Geschichte Peter des Großen in seiner Zeit. Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1954, ISBN 3525361408
  • Jörg-Peter Findeisen: Das Ringen um die Ostseeherrschaft. Duncker & Humblot, Berlin 1992, ISBN 3428074955
  • Voltaire: Histoire de l'Empire de Russie sous Pierre le Grand, par l'auteur de l'histoire de Charles XII. Genf 1761 & 1763. Deutsch: Geschichte des russischen Reiches unter Peter des Großen. Frankfurt & Leipzig 1761 & 1764
  • Alexei Nikolajewitsch Tolstoi: Peter der Erste. Roman. Rowohlt, Reinbek 1987, ISBN 3-499-40012-X
  • Martha Schad(Hg.): Macht und Mythos.Die grossen Dynastien.Die Romanows. Weltbild Verlag, Augsburg 2000, Sammler Editionen

Weblinks

<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden Commons: Peter I of Russia – Bilder, Videos und/oder Audiodateien


Anmerkung: Bei doppelten Datumsangaben führt der Tag gemäß julianischem Kalender, das folgende Datum gibt den Tag gemäß gregorianischem Kalender an. Der Wechsel des Kalenders fand, je nach Staat, zwischen 1582 und 1812 statt, in einigen Staaten Osteuropas erst Anfang des 20. Jahrhunderts (beispielsweise in Russland zur Oktoberrevolution 1917).

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Peter_der_Gro%C3%9Fe, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge