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Nationalstaat

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Ein Nationalstaat ist ein Staat, der auf der Souveränität der Nation beruht. Sprachliche, kulturelle oder ethnische Homogenität wurde zwar in der deutsch-nationalistischen Diskussion oft als Voraussetzung des Nationalstaates bezeichnet, ist aber in der Realität nirgends verwirklicht. "Ethnische Homogenität" könnte nur um den Preis umfassender "ethnischer Säuberungen" hergestellt werden und ist deshalb als Kriterium zu verwerfen.

Inhaltsverzeichnis

Nationalstaat, Vielvölkerstaat und Willensnation

Der Nationalstaat setzt Staat und Nation voraus. Beide sind aus historischen Entwicklungen entstanden und keine „natürliche“ Voraussetzung menschlichen Zusammenlebens. Entstehende Nationalstaaten sollen - so die Anhänger der Nationalstaatsidee - die wesentlichen Teile des staatstragenden und meist auch namengebenden Volkes in sich vereinen. Dabei soll der staatstragende Teil der Bevölkerung sich einer gemeinsamen Kultur oder Tradition verbunden fühlen. Idealtypisch gehören einem Nationalstaat alle Angehörigen seines Volkes und auch nur Angehörige dieses Volkes oder Kulturkreises an.

Diesem Typus weitgehend angenähert sind zum Beispiel die Inselstaaten Japan und Island. Weitaus komplizierter wird es für entstehende sich als Nationalstaaten begreifende Staaten, wenn sich die Siedlungsgebiete verschiedener Völker überlappen. In diesem Fall kann der Versuch der Nationalstaatsgründung in einen Krieg ausarten, wenn überlappende Völker ihren jeweiligen Nationalstaat auf demselben Territorium gründen wollen (z.B. Deutsch-Dänischer Krieg, Balkankriege, Nahostkonflikt).

Den Gegensatz zum Nationalstaat bildet der Vielvölkerstaat, der innerhalb eines Staates Angehörige von mehr als einer Nation vereint. Wenn unterschiedliche Völker in einem Staat zusammenleben wollen, spricht man von einer Willensnation. Im Gegensatz zu durch Imperialismus entstandene Vielvölkerstaaten handelt es sich bei einer Willensnation nicht um eine von außen bzw. von oben aufgezwungene multikulturelle Gesellschaft. Beispiele für heutige Willensnationen sind die Schweizerische Eidgenossenschaft oder die Vereinigten Staaten von Amerika.

Geschichte

Wenn man einmal von vormodernen Vorläufern, wie dem Römischen oder dem Chinesischen Reich absieht – ist der Nationalismus eine Entwicklung der europäischen Neuzeit. Deren Vorläufer im Mittelalter waren Personalverbände, die aufgrund ihrer Orientierung und Abhängigkeit auf einen Herrscher, eine Dynastie oder einen genossenschaftlich organisierten Herrschaftsverband auf die Kriterien, die einen Staat ausmachen, weitgehend verzichten konnten. Sie stabilisierten sich über die persönliche Bindung zwischen Herrschenden und Untertanen.

Die Idee des Nationalstaates entstand während des 18. Jahrhunderts, als sich infolge großer Staatsverschuldung, hoher Steuern (Absolutismus, Merkantilismus) und heftiger Kriege (Österreichischer Erbfolgekrieg, Siebenjähriger Krieg) die Situation der Bevölkerung stark verschlechterte und radikale Ideen Zulauf fanden und sich vermischten (Demokratie, Nationalismus, Sozialismus, Liberalismus). Für die schlechteren Lebensverhältnisse wurden häufig ethnische oder kulturelle Minderheiten kollektiv verantwortlich gemacht. Kurz nach der Französischen Revolution kam es daher zu Terrorherrschaft und Koalitionskriegen.

Führende Nationalstaatspolitiker wollten häufig ökonomische Autarkie auf Kosten der Arbeitsteilung erreichen, um von anderen Nationalstaaten unabhängig zu sein. Heute hat sich weitgehend die Erkenntnis durchgesetzt, dass Vernetzung sinnvoller ist. Wirtschaft und Gesellschaft internationalisieren sich. Eine globale Ökonomie und Kultur, die nicht mehr an nationale Grenzen und Identitäten gebunden ist, entwickelt sich zunehmend. Mit dem Begriff "McWorld" hat der amerikanische Politikwissenschafter Benjamin Barber diese Entwicklung plakativ benannt. Dies bedeutet langfristig zumindest einen inhaltlichen Bedeutungswandel für den Nationalstaat, wenn er dadurch nicht sogar von neuen Organisationsformen abgelöst wird, z.B. lokale Autonomie.

Minderheiten

Saturierte (gesättigte) Nationalstaaten sollten eigentlich sehr friedliche Staaten sein. Sie haben keine Ansprüche an andere Länder und auch kein Sendungsbewusstsein, das zu Eroberungsplänen führen kann. Der Idealtypus des ethnisch oder kulturell homogenen Nationalstaats wird in der Praxis kaum erreicht. Wo eine nennenswerte Anzahl Bürger eines Nationalstaates einem anderen Volk als dem tragenden Staatsvolk angehört, spricht man von einer Minderheit. Ethnische oder auch ideologische Minderheiten haben besonders in zentralistischen Staaten einen starken Drang nach Autonomie. Je nach Schweregrad von Zentralismus und Autonomiewunsch kann es zu unterschiedlich ausgeprägten Konflikten bzw. deren Lösung kommen.

Beispiele für Minderheiten sind die Dänen in Schleswig-Holstein, die Deutschen in Dänemark, die Südtiroler in Italien, die Sorben in Brandenburg und Sachsen oder die Kurden in der Türkei. Es handelt sich aber um unterschiedliche Typen von Minderheiten:

  • Im Falle der Dänen in Deutschland fühlen die Menschen sich kulturell einer Nachbarnation verbunden. Solche Nationale Minderheiten entstehen in Grenzgebieten, wenn nationale Grenzen zu Zeiten gebildet wurden, als der Begriff der Nationalität noch nicht bestand oder wenn – wie bei diesem Beispiel – gemischte Siedlungsgebiete vorliegen, die räumlich nicht getrennt werden konnten.
  • Die Sorben bilden eine Minderheit, die weitgehend geschlossen auf deutschem Staatsgebiet lebt, aber zu wenige Mitglieder hat und zu verstreut lebt, um einen eigenen Nationalstaat zu bilden.
  • Die Kurden leben dagegen als Minderheiten in mehreren Staaten, darunter der Türkei, Iran, Syrien und dem Irak, ohne jemals einen eigenen Nationalstaat gebildet zu haben.

Assimilation

Assimilation findet in der Regel im Laufe der Zeit immer statt, wenn die Minderheit kein Interesse hat, nicht groß genug ist oder nicht genug Durchsetzungskraft gegenüber der Mehrheit hat, um einen eigenen Nationalstaat zu bilden oder sich einem Nationalstaat ihrer Nation anschließen. Im Laufe der Generationen ändert sich die Muttersprache und damit auch Nationalität, kulturelles Zugehörigkeitsgefühl und eigene Identität. Ein Beispiel dafür sind Elsässer und Lothringer.

Bei Staaten mit unsicherem Umgang mit der eigenen Identität kann es zu Assimilationsdruck gegenüber der Minderheit kommen. Das ist heute etwa noch in der Türkei gegenüber den Kurden der Fall.

Separatismus

Separatismus ist der Drang der Bevölkerungsgruppe eines Nationalstaates aufgrund eigenständiger Kultur oder einer gegenüber der staatstragenden Ethnie unterschiedlichen Ethnizität einen eigenen Staat zu bilden oder sich einem andern Staat anzuschließen. Beispiele hierfür sind die Basken, Albaner oder die Uiguren.

Zwischen den Begriffen Separatismus und Nationalismus besteht häufig nur ein perspektivischer Unterschied, je nachdem ob die Absicht vom bestehenden Staat oder aus Sicht derjenigen, die sich trennen möchten, beurteilt wird.

Irredentismus

Leben außerhalb der Grenzen des Nationalstaates Angehörige der staatstragenden Nation, können sich auch daraus politische Probleme ergeben. Bewohnen sie ein geschlossenes Gebiet, kann das zu der Forderung führen, dieses dem Nationalstaat anzuschließen, zum Beispiel seitens Irlands bezüglich Nordirland. Hierfür steht der Begriff des Irredentismus (von dem italienischen „irredenta“ für unerlöst). Bewohnen sie kein geschlossenes Gebiet, kann das zu Rückführungsaktionen führen. Ein Beispiel sind die Spätaussiedler in Deutschland.

Literatur


Weblinks

"Was hält die Schweiz zusammen?"- Vortrag von Bundesrat Koller

Wikipedia
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