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Nächstenliebe
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Nächstenliebe ist ein zentrales Gebot der Tora ([[3. Buch Mose
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|Lev]] 19,18 EU
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):
- Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin JHWH.
Dem Hebräischen folgt auch die Übersetzung (z.B. Die Schrift von Martin Buber und Franz Rosenzweig):
- Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du.
Mit der ganzen Tora gilt dies Gebot im Judentum als Wort Gottes und damit Grundorientierung und Leitforderung der gesamten Religionsausübung. Für die Rabbiner ist es im Anschluss an die Prophetie des Tanach ebenso wesentlich für den jüdischen Gottesdienst wie die Gottesliebe (siehe Jüdische Ethik). Ebenso hat Jesus von Nazaret das Gebot der Nächstenliebe als gleichwesentlich mit dem 1. Gebot bekräftigt ([[Evangelium nach Markus
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|Mk]] 12,31 EU
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) und als Feindesliebe in akuter Verfolgungssituation aktualisiert ([[Evangelium nach Matthäus
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|Mt]] 5,38-48 EU
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). Demgemäß ist es auch ein Zentralbegirff der christlichen Ethik.
Inhaltsverzeichnis |
Biblischer Kontext
Tanach
Das Gebot der Nächstenliebe steht im Rahmen des Heiligkeitsgesetzes im 3. Buch Mose. Es bildet dort den Abschluss und die Summe einer Gebotsreihe, die ähnlich wie die Zehn Gebote die wesentlichen Grundforderungen des Willens Gottes gegenüber dem erwählten Volk Israel zusammenstellt. Es wird auf die Situation eines Streites unter Juden bezogen, den die Befolgung der Gebote lösen soll:
- Du sollst nicht als Verleumder umhergehen unter deinem Volk. Du sollst auch nicht auftreten gegen deines Nächsten Leben; ich bin JHWH. Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst. Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks.
An die Stelle all dieser abgewiesenen Verhaltensweisen soll nach der Tora die Nächstenliebe treten. Sie wird mit der Selbstvorstellungsformel Gottes begründet, die seinen offenbarten Willen ultimativ bekräftigt. Damit wird die Befolgung dem Belieben der Menschen entzogen und für die gesamte Gemeinschaft vor Gott verbindlich gemacht.
Die menschliche Nächstenliebe soll dem Handeln Gottes in der Geschichte Israels entsprechen. Sie ist deshalb deutlich von allgemeiner Philanthropie unterschieden, indem sie primär den Rechtlosen, Unterdrückten und Benachteiligten zukommen soll. Deshalb sind insbesondere die Sozialgesetze der Tora häufig mit der Selbstvorstellungsformel Ich bin JHWH, oft mit der Näherbestimmung ...der euch aus Ägyptenland [der Sklaverei] befreit hat begründet.
Neues Testament
In einem Gespräch mit einem Pharisäer in Jerusalem ([[Evangelium nach Markus
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|Mk]] 12,28-34 EU
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) zitiert Jesus auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot, die damals unter Pharisäern diskutiert wurde, zwei Bibelstellen: das Erste Gebot, hier in der Version des Schma Jisrael (Höre Israel, dein Gott ist einer...), und das Gebot der Nächstenliebe nach Lev 19,18. Er betont:
- Es ist kein anderes Gebot größer als diese.
Dem stimmt der Pharisäer zu und erkennt dabei mit der Anrede Rabbi Jesu Autorität als Bibelausleger an:
- Meister [Lehrer], du hast wahrlich recht geredet. Er ist nur einer und ist kein anderer außer ihm; und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.
Diese Antwort bewegt Jesus zu der Zusage:
- Du bist nicht fern vom Reich Gottes.
Hier wird also wenige Tage vor Jesu Hinrichtung die grundsätzliche Übereinstimmung im Glauben von Juden und Christen ausgesagt und wechselseitig bekräftigt, die alle übrigen Gegensätze relativiert.
Alles, was an Handlungen, Predigten, Streitgesprächen und Gleichnissen Jesu in den Evangelien berichtet wird, lässt sich von da aus als Auslegung der beiden gleichrangigen Zentralgebote des Judentums verstehen. Ihr gemeinsamer Oberbegriff ist Liebe, die im theologischen Sinn Gottes aktiver Hinwendung zum Menschen folgt und darum das Heil und Wohl des Nächsten anstrebt, um so das gemeinsame Glück zu ermöglichen.
Gleichnisse Jesu und Erläuterung
Zur Erläuterung der Nächstenliebe erzählt Jesus im Anschluss an das Dreifachgebot der Gottes-, Selbst- und Nächstenliebe (Mt 22, 37-40; par. Lk 10, 25-28) im Lukasevangelium das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,30-37), in dem einem Opfer eines Überfalls über religiöse und soziale Schranken hinweg mit Einsatz von Zeit, Erster Hilfe und Geld für die weitere Versorgung geholfen wird. Die Ausgangsfrage "Wer ist mein Nächster?" (statisch, beziehungsgebunden) wird auf sich selbst zurückverwiesen und muss nach dem Gleichnis lauten: "Wem kann ich mich als Nächster erweisen?" (tätige Liebe).
Eine Radikalisierung des Gebotes der Nächstenliebe nimmt Jesus in der Bergpredigt vor. Im Anschluss an Levitikus 19, 18 fordert er von seinen Jüngern die Feindesliebe (Vgl. Mt 5, 43-48). In Mt 25, 40 werden die Werke der Barmherzigkeit religiös gedeutet: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."
Kirchliche Bedeutung
Im Zusammenspiel mit Feier (Liturgia) und Verkündigung/Zeugnis (Martyria) ist die tätige Nächstenliebe (griech.: Diakonia, lat.: Caritas) einer der drei Grundvollzüge christlicher Gemeinde bzw. Kirche.
Siehe auch
Weblinks
- Lexikon des Antijudaismus: Nächstenliebe (Auszug abgedruckt bei Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Augsburg)
- http://www.stiftung-naechstenliebe.de - Stiftung Nächstenliebe - Die gute Tat für die Ewigkeit;
- Nächstenliebe und Mitleid im Tierreich: Selbst Ratten lässt der fremde Schmerz nicht kalt (Artikel im Berliner Tagesspiegel v. 7. Januar 2005)
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