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Morphologie (Sprache)

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Die Morphologie ist der Teilbereich der Linguistik, der die Erforschung der kleinsten bedeutungs- oder funktionstragenden Elemente einer Sprache, der Morpheme, zum Gegenstand hat. Viele Morpheme (Einheit der langue) werden in unterschiedlichen Formen, Allomorphen verwendet. Morpheme setzen sich aus Phonemen zusammen und bilden ihrerseits Wörter. Die Prinzipien bzw. Regularitäten der inneren Struktur von Wörtern gehören ebenfalls zum Gebiet der Morphologie.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsherkunft

In der traditionellen Grammatik ist die Morphologie die Formenlehre, die, vom Wort ausgehend, die Analyse der Flexionsformen und der Wortarten umfasst und auch die Wortbildung einbeziehen kann.

Der Begriff Morphologie wurde im 19. Jahrhundert von den Sprachwissenschaftlern übernommen, um typische Wortbildungsmuster zu beschreiben. Ursprünglich stammt er von Goethe, der ihn für die Lehre von den Formen, besonders in der Botanik, eingeführt hat. August Schleicher übernahm ihn dann 1860 für die Sprachwissenschaft, allerdings nur als Überschrift und zunächst wenig beachtet. Von Morphemen spricht erstmals Leonard Bloomfield (1933: Language; siehe auch deskriptive Linguistik).

Die Morphologie ist mit ihren Analysemethoden und Begriffen ganz wesentlich durch den amerikanischen Strukturalismus geprägt; Bloomfield (1933) [1] und Harris (1951) [1] widmen ihr eigene Kapitel in ihren grundlegenden Werken. Ihr Status hat sich immer wieder mal geändert, sowohl bei der Frage, welche Bereiche der Sprachbeschreibung ihr zuzurechnen sind, als auch bei ihrer Einbettung in die Regelsysteme der verschiedenen Grammatiktypen.

Morph, Allomorph, Morphem

Morphe sind noch nicht klassifizierte Bestandteile eines Wortes. Man erreicht Segmentierung von Wörtern in Morphe durch Substitution: Kind/-er/-heit/-lich/-isch/. In den Wörtern Lehr+er, Kind+er, größ+er wiederholt sich das Suffix –er drei Mal. Man hat also drei -er-Morphe vor sich. Erst wenn man Funktion und Bedeutung dieser Morphe identifiziert hat, kann man sie bestimmten Morphemen zuordnen, also als Allomorphe dieser Morpheme klassifizieren. –Er in Lehrer wird zur Bildung von “nomina agentis” benutzt, -er in Kinder zur Bildung des Plurals und –er in größer bei der Komparativbildung.

Regeln der Flexion und Wortbildung

Es lassen sich verschiedene Verfahren oder Regeln unterscheiden, die bei der Flexion oder Wortbildung zu beobachten sind.

Flexion (Beugung)

Hauptartikel: Flexion

Zur Flexion zählen Konjugation und Deklination. Viele Autoren zählen auch die Steigerung, Komparation zur Flexion.

Beispiel: Ich brauche Trinkwasser.

An das Grundmorphem brauch wird e als Flexionsmorphem für 1. Person Singular Präsens Indikativ Aktiv angehängt.

In neueren Analysen wird die Flexion allerdings nicht mehr der Morphologie zugesprochen, da sie allein auf der syntaktischen Ebene eine Rolle spiele. Dagegen lässt sich einwenden, dass Plural fast immer und Genus oft auch auf der semantischen Ebene eine Rolle spielen.

Derivation (Wortableitung)

Hauptartikel: Derivation (Linguistik)

Derivation bezeichnet Wortbildung durch Kombination von Grundmorphemen und Affixen.

Beispiel: Gesund-heit, Freund-schaft, Mann-schaft

An das Grundmorphem Gesund wird heit angehängt, ein Derivationsmorphem, um Adjektive in Substantive zu überführen.

Komposition (Wortzusammensetzung)

Hauptartikel: Komposition (Grammatik)

Komposition bedeutet die Bildung von Wörtern aus mindestens zwei Grundmorphemen, Wörtern; sie können aber beliebig viele Ableitungselemente enthalten.

Beispiele: Sprach-wissenschaft, Schiff-fahrts-gesellschaft, Schul-hof, Rot-verschiebung

Durch Kombination des Grundmorphems Sprach mit dem aus Derivation entstandenen Wort Wissenschaft (wiss+en+schaft) entsteht ein Kompositum.

Kürzungen

Hier unterscheidet man in:

- die Abkürzung, bei der man die Anfangsbuchstaben der einzelnen Morpheme, aus denen sich das Wort zusammensetzt, einzeln ausspricht

Beispiel: Wintersemester → WS

- das Akronym, das den selben Regeln wie die Abkürzung folgt, wobei hier jedoch ein neues phonetisches Wort entsteht

Beispiel: Deutsche Industrie Norm → DIN

- die Kürzung, bei der Wortmaterial gelöscht wird, um ein weniger kompliziertes Wort zu erstellen

Beispiel: Universität → Uni

Konversion

Manche Wissenschaftler rechnen auch noch die Konversion zur Morphologie. Konversionen sind z. B. Verben, die ohne Morphem nur durch Verwendung und Großschreibung in Substantive überführt werden.

Beispiel: denken → das Denken

Ein weiteres Beispiel für Konversion ist die Pluralbildung von (das) Kissen zu (die) Kissen. Hier ist gar keine Formänderung sichtbar. Diese Konversion kann als Anwendung eines nicht mit Form behafteten Morphems auf das Wort (das) Kissen angesehen werden. Dieses Morphem wird Ø-Morphem oder Zero-Morphem genannt. (Viele Autoren unterscheiden aber Konversion als Verfahren der Wortbildung von Pluralbildung als Verfahren der Flexion.)

Eine andere Definition von Konversion besagt, dass es sich hier um eine geringe Änderung des Morphems handelt und schließt somit die Flexion mit ein. Die vorher erwähnte Form der Konversion wird in diesem Zusammenhang Null-Ableitung genannt.

Viele morphologische Phänomene lassen sich formal mit regulären Ausdrücken beschreiben, besonders wenn sie rein aus Affigierungen ohne weitere Veränderungen des Materials bestehen. Einige Phänomene allerdings, so die arabische Derivationsmorphologie, sind mit regulären Sprachen nicht zu erfassen.

Abgrenzungsschwierigkeiten

Über die Frage, ob man die Morphologie weiter in Wortbildung und Flexion unterteilen sollte, lässt sich streiten. An einigen Hochschulen wird Wortbildung als eigene Disziplin gelehrt, an anderen wird sie zur Morphologie gezählt.

Die Bezeichnung der Grundeinheit Morphem als kleinste bedeutungs- oder funktionstragende Einheit der Sprache bietet ebenfalls eine Untergliederungsmöglichkeit innerhalb des Gebiets der Morphologie und hat zu Forschungsdebatten geführt (Vgl. z.B. Unklarheit der Forschung über die Regeln der Verwendung und des Bedeutungsinhalts von Fugenelementen und die daraus resultierende Vielzahl an Bezeichnungen).

Literatur

  • Henning Bergenholtz, Joachim Mugdan: Einführung in die Morphologie. Kohlhammer, Mainz u.a. 1979. ISBN 3-17-005095-8
  • Nikolaus Schpak-Dolt: Einführung in die französische Morphologie. Niemeyer, Tübingen 1992, ISBN 3484540362
  • P. H. Matthews: Morphology. Second Edition. Cambridge University Press 1991, ISBN 0-521-41043-6.
  • Christine Römer: Morphologie der deutschen Sprache. Francke, Tübingen/ Basel 2006. ISBN 3-7720-8179-7 und 978-3-7720-8179-8
  • Hans-Jörg Schmid: Englische Morphologie und Wortbildung. Eine Einführung. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-503-07931-9.
  • Franz Simmler: Morphologie des Deutschen. Flexions- und Wortbildungsmorphologie. WEIDLER Buchverlag Berlin 1998, ISBN 3-89693-304-3.

Einzelnachweise


Weblinks

Wikipedia
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