Das CineDat-Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Jungfrau

Aus CineDat.

Wechseln zu: Navigation, Suche
Bild:Disambig-dark.svg Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen finden sich unter Jungfrau (Begriffsklärung).

Jungfrau bezeichnet gegenwärtig eine Frau vor ihrer Defloration (Brockhaus). Ähnlich wie Maid ist es jedoch ursprünglich die Bezeichnung einer jungen ledigen (daher anzunehmendermaßen auch jungfräulichen) Frau schlechthin, zunächst von Adel, dann auch im Bürgertum. Daher abgeleitet ist „Jungfer“ als Anrede für weibliches Hauspersonal (z.B. eine Kammerjungfer). Männlicher Gegenbegriff zur „Jungfrau“ ist der Jüngling.

„Jungfrau“ bezeichnet seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahezu ausschließlich den Zustand einer Frau, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte, medizinisch: virgo intacta, bleibt aber eine heute mögliche Bezeichnung für eine unverheiratete junge Frau.

Inhaltsverzeichnis

Nachbarbegriffe

Mädchen sind gesellschaftlich bis zu ihrem ersten Geschlechtsverkehr, biologisch bis zur Zerstörung des Hymens, Jungfrauen. Der erste Geschlechtsverkehr einer Frau wird Defloration (deutsch Entjungferung) genannt, wenn das die Jungfräulichkeit ausmachende Hymen zerstört wird. Für einen Mann gibt es daher keinen entsprechenden offiziellen Begriff, denn "Junggeselle" oder "Jüngling" sagen nichts über früheren Geschlechtsverkehr aus. Jungfräulichkeit von Männern wird gelegentlich mit dem (mittlerweile) geschlechtsneutraleren englische Wort "virgin" bezeichnet (der Einfachheit halber, aber fälschlich).[1][2]

Bedeutung

Die Jungfräulichkeit hat in allen patriarchialischen Gesellschaften eine hohe Bedeutung. In der modernen westlichen Gesellschaft ändern sich diese Werte allerdings schnell, so auch der Schutz der Mädchen. "Jungfrau" bezeichnet nicht nur "junge Frau", sondern trennt Mädchen in Heiratsfähige und (noch) nicht Heiratsfähige, gemessen an ihrem Alter und ihrer Keuschheit.

In der deutschen Sprache gibt es tatsächlich entsprechende Wörter für Männer, bis ins 19. Jahrhundert wurde mit dem Begriff Jüngling männliche Keuschheit (aber auch mangelnder Bartwuchs) beschrieben (anders: Junker). Ebenfalls selten geworden ist der Begriff Hagestolz, der ältere Junggesellen bezeichnet, nicht aber ihre sexuellen Erfahrungen.

Die Jungfräulichkeit einer Frau galt in vielen patriarchialischen Gesellschaften als Bedingung für ihre Heirat. In vielen Kulturen ist das noch heute so, zum Beispiel bei der arrangierten Heirat. Zur Prüfung der Jungfräulichkeit wurde gelegentlich vor der Eheschließung das Hymen der Frau auf seine Unversehrtheit, beziehungsweise das Laken des Bettes nach der Hochzeitsnacht auf Blutflecken überprüft. Um Selbstbefriedigung und Geschlechtsverkehr zu verhindern, wurde notfalls durch eine Infibulation die Keuschheit bewahrt, welche bis ins frühe 19. Jahrhundert noch betrieben wurde.

Als Alternative, und zur Bewahrung des Hymens, konnte aber Analverkehr betrieben werden, der die Jungfernhaut schonte; die griechische und römische Antike nutzten diese Praktiken ohne moralische Hindernisse, in den Schriftreligionen Judentum, Christentum und Islam wurde dies allerdings unter Strafe gestellt (Homosexualität war zusätzlich bestraft) und nur heimlich - als Umgehung des Keuschheitsgebotes - betrieben, was sich auf ein bis heute schwieriges moralisches Verhältnis zum Analverkehr auswirkt.

Die Reinheit sollte vor Dämonen oder bösen Geistern schützen, was zum Verbot der Homosexualität und pränuptalen (vorehelichen) Geschlechtsverkehrs führte, und für die Männer im Christentum das Zölibat als bewusste Enthaltsamkeit entstand.

War eine ledige Frau bei der Ehe keine Jungfrau mehr, und dies bekannt, so konnte sie gezwungen werden, statt des Jungfrauenkranzes (aus Myrten) ohne oder zu ihrer Schande mit einem Kranz aus Stroh zum Altar geführt zu werden. So konnte jeder sehen, dass sie sich unzüchtig benommen hatte. (Witwen trugen bei der Wiederverheiratung z.B. einen Orangenblütenkranz.) Bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Europa war die Jungfräulichkeit der Frau vor der Ehe auch rechtlich geschützt (und mit Zahlung des Kranzgeldes geahndet, auch juristisch Deflorationsgeld genannt), allerdings wurde dieser Schutz von einer der Körperverletzung ähnlichen Strafe der Ehre bis zu seiner Abschaffung Anfang der zweiten Hälfte des Jahrhunderts graduell reduziert, im selben Maße, wie die gesellschaftliche Isolation abnahm (keine Möglichkeit mehr zu heiraten, Nachteile für alleinstehende Frauen, und der Ruf der Schande), die früher zum sozialen Abstieg der Frau führte, und sie im schlimmsten Fall auch zu Prostitution und Diebstahl zwingen konnte.

Heutzutage wird Jungfräulichkeit, zumindest im westlichen Kulturkreis, bei Jugendlichen dagegen zum Teil als Schande angesehen, da es mit Unreife und übertriebenem Schamgefühl (abwertend: Verklemmtheit) assoziiert wird.

In anderen, insbesondere muslimischen Kulturen wird der Jungfräulichkeit vor der Ehe nach wie vor ein hoher Stellenwert eingeräumt. Wurde dennoch unehelich Geschlechtsverkehr vollzogen, wird oft vor der Heirat eine Hymenalrekonstruktion durchgeführt. Dabei wird das Hymen wieder zusammengenäht und dem Ehemann somit die erhaltene Jungfräulichkeit vorgetäuscht.

Auch in den USA wird oft die voreheliche Enthaltsamkeit gefordert. Die christlich- konservative True Love Waits - Bewegung erfreut sich einer zunehmenden Populariät. Jugendliche legen hierbei gegenseitig den Eid ab, vor der Ehe keinen Sex zu praktizieren.

Bedeutung in den Religionen

Babylon

In der babylonischen Kultur galt die Göttin Ischtar als eine Jungfrau und eine Hure zugleich. Die Tempelpriesterinnen galten als Jungfrauen, auch wenn sie schon mehrere Kinder hatten. Diese Kinder nannte man die Jungfrau-geborenen.

Griechenland und Rom

In vielen Religionen spielt die Jungfräulichkeit eine wichtige Rolle. Zum Beispiel sind in der griechischen Mythologie die Göttinnen Athene, Artemis und Hestia Jungfrauen. Der Gott Mithras ist nach der mithraistischen Überlieferung von einer Jungfrau geboren worden.

Die Jungfräulichkeit war in der römischen Antike (vgl. Vestalin) religiös geschützt und hoch bewertet.

Hinduismus

Auch der Hinduismus achtet die Jungfräulichkeit als hohen Wert, stellt ihre Verletzung aber nicht unter religiös motivierte Strafen wie Christentum und Islam.

Christentum

In vielen christlichen Kirchen wurde und wird gelehrt, dass Geschlechtsverkehr nur in der Ehe mit dem Ehepartner erlaubt ist. Außerdem gibt es das Glaubensdogma, wonach Maria, die Mutter Jesu, diesen ohne Beteiligung eines männlichen Sexualpartners durch den Heiligen Geist empfangen hat. Wegen der jungfräulichen Geburt von Jesus von Nazaret durch Maria wird diese auch die heilige Jungfrau genannt. Das Dogma der Jungfrauengeburt ist nicht zu verwechseln mit dem der Unbefleckten Empfängnis. Letzteres besagt, dass Maria unbefleckt, also ohne Erbsünde im Schoß ihrer Mutter Anna empfangen wurde.

Islam

Der Koran verbietet außerehelichen Geschlechtsverkehr in Sure 17, 32, aber islamische Gesellschaften kennen heutzutage durchaus das Scheiden einer Ehe und Wiederverheiraten, und erkennen an, dass bei einer Wiederverheiratung keine Jungfräulichkeit besteht. Der Unterschied zwischen biologischer und gesellschaftlicher Jungfräulichkeit kann bei muslimischen Bräuten zum Problem werden, wenn durch eine mangelnde Blutung in der Hochzeitsnacht, ausgelöst durch eine Verletzung des Jungfernhäutchens bei Selbstbefriedigung, Sport oder ähnlicher Bewegung, vorehelicher Geschlechtsverkehr angenommen wird, und im islamischen Verständnis die Ehe annulliert werden kann.

Quellen

  1. Brockhaus, Mannheim 2004, Jungfrau
  2. Encyclopaedia Britannica, London 2004, virgin

Literatur

wikt:
Wiktionary
Wiktionary: Jungfrau – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen

Weblinks

Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Jungfrau, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge