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Finnland

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Suomen tasavalta (finn.)

Republiken Finland (schwed.)
Republik Finnland

Bild:Flag of Finland.svg

(Details) (Details)
Amtssprache Finnisch, Schwedisch
Hauptstadt Helsinki
Staatsform Parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt Präsidentin Tarja Halonen
Regierungschef Ministerpräsident Matti Vanhanen
Fläche 338.145 km²
Einwohnerzahl 5.279.228 (2.2.2007)
Bevölkerungsdichte 15,6 Einwohner pro km²
BIP/Einwohner 30.922 US-$ (2004)
HDI (11.) 0,947
Währung Euro
Unabhängigkeit 6. Dezember 1917
Nationalhymne Maamme / Vårt land
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen FIN (bis 1993: SF)
Internet-TLD .fi
Telefonvorwahl +358
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Finnland (finn.: Suomi, schwed.: Finland) ist ein Staat in Nordeuropa und Mitglied der Europäischen Union. Er grenzt an Schweden, Norwegen, Russland und die Ostsee. Historisch-politisch sind die Verbindungen zu Schweden eng. Auch zum sprachverwandten Estland bestehen über den Finnischen Meerbusen enge Kontakte. Die schwedischsprachige Inselgruppe Åland (finn. Ahvenanmaa) hat einen weitgehenden Autonomiestatus.

Das Gebiet Finnlands, das seit Jahrtausenden dünn besiedelt war, trat mit der Eingliederung in das Schwedische Reich ab dem 12. Jahrhundert in die historische Zeit ein. Es blieb für viele Jahrhunderte integraler Teil Schwedens, bis es 1809 an Russland abgetreten wurde, unter dessen Herrschaft sich Finnland als Nation entwickelte. 1917 erlangte das Land die staatliche Unabhängigkeit und konnte diese seitdem behaupten.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Finnland ist mit einer Fläche von 338.144,53 km² etwas kleiner als Deutschland. Zwischen dem 60. und 70. Breitengrad liegend, zählt es zu den nördlichsten Ländern der Erde. Es ist nur im Norden mit der Skandinavischen Halbinsel verbunden, man spricht geographisch präzise von Fennoskandinavien. Finnland besitzt im Nordwesten eine 580 km lange Grenze zu Schweden und im Norden eine 716 km lange Grenze zu Norwegen. Die längste Staatsgrenze ist mit 1.270 km die zur Russischen Föderation im Osten. Die Inseln der autonomen Inselgruppe Åland liegen zwischen 15 und 100 km vom finnischen Festland entfernt.

In Finnland gibt es keine sehr großen Gebirge, jedoch gibt es im Norden so genannte Inselberge (Tunturit), die sich aus der flachen Landschaft erheben. Im äußersten Nordwesten hat das Land Anteil am Skandinavischen Gebirge. Dort befindet sich auch die höchste Erhebung, der 1.324 m hohe Haltitunturi.

Die Ostseeküste Finnlands ist eine reich gegliederte Schärenküste. Der längste Fluss in Finnland ist der Kemijoki; dieser fließt bei Kemi in den Bottnischen Meerbusen, der mehrere Monate im Jahr zugefroren ist. Im Südosten liegt die Finnische Seenplatte, die Finnland den Beinamen „Land der Tausend Seen“ beschert hat. Präzise gibt es in Finnland 187.888 Seen (Gewässer mit mindestens 500 m² Fläche). Siehe auch: Liste der 20 größten Seen in Finnland

Bei Gliederung des Landesgebiets ist zu beachten, dass Lappland geographisch immer noch getrennt betrachtet wird. Dies hat zur Folge, dass das Gebiet ungefähr zwischen Oulusee und Polarkreis Nordfinnland genannt wird, obwohl es in der Mitte des Landes liegt. Ebenfalls heißt die Landschaft um die Stadt Jyväskylä trotz ihrer südlichen Lage Keski-Suomi (dt. Zentrales Finnland).

Geologie

Bild:Syväri1.jpg
Typisch finnische Seenlandschaft: der Syväri-See

Die Geologie Finnlands ist von präkambrischen Gesteinen des Baltischen Schildes (Gneise, Granite, Schiefer) geprägt. Gebirgsbildungen liegen in Finnland ca. eine Milliarde Jahre zurück. Durch Erosion sind häufig nur noch dünne eiszeitliche Ablagerungen vorhanden und kaum hohe Berge.

Die heutige Landschaftsform ist durch die letzte Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren geprägt. Die großen Eismassen haben Gesteine abgetragen, das Schmelzwasser hat die Landoberfläche weiter geformt. Typisch sind die Küstengebiete und Seenplatten. Als Auffangbecken des glazialen Schmelzwassers diente nach dem Ende der Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren der Ancylussee, ein Süßwasserreservoir, das Vorläufer der heutigen Ostsee war. Dieses ständig anwachsende Gewässer brach vor 7.000 Jahren zur Nordsee durch, wodurch sich die einstigen Schmelzwasserseen zu Salzgewässern wandelten. Schon zuvor hatte sich der Schild infolge des Gletscherrückzugs durch die verminderte Drucklast zu heben begonnen, wobei dieser Vorgang an der Westküste schneller fortschritt als in den östlichen Landesteilen. Im Zuge dieser Erhebung wurde dem Wasser der nach Westen abfließenden Binnengewässer der Weg abgeschnitten, sodass es sich mit dem Fluss Vuoksi einen neuen Abfluss nach Süden bahnte. Diese Erhebung ist ein bis heute andauernder Vorgang, und die westliche Küstenlinie wandert ständig weiter nach Westen.

Klima

Bild:Ev24856 Scandinavia.A2003050.1025.250mFINLANDONLY.jpg
Satellitenbild vom 19. Februar 2003. Gut zu erkennen das Packeis der Ostsee.

Das finnische Klima ist kaltgemäßigt. Finnland liegt an der Grenze zwischen maritimer und kontinentaler Klimazone. Die Tiefdruckgebiete der Westwindzone können feuchte und wechselnde Wetterlagen mit sich bringen. Andererseits schirmt das Skandinavische Gebirge Finnland vom Atlantik ab, so dass stabile kontinentale Hochdruckzonen für kalte Winter und vergleichsweise heiße Sommer sorgen. Die Ostsee, die Binnenseen und insbesondere der Golfstrom machen durch ihren mäßigenden Einfluss das Klima in Finnland deutlich milder als in anderen Orten auf denselben Breitengraden. Kuopio liegt etwa auf derselben Breite wie das sibirische Jakutsk, hat aber eine um fast 13 °C höhere Jahresdurchschnittstemperatur.

Zwischen Ost- und Westfinnland existieren keine Isothermen, hingegen wird das Klima bei einer Nord-Süd-Ausdehnung des Landes von über 1000 Kilometern nach Norden hin deutlich kälter. Während die durchschnittliche Jahrestemperatur im Süden 5 °C beträgt, so sind es im Norden Finnisch-Lapplands nur noch -2 °C.[1] Auch die Dauer der thermischen Jahreszeiten ist stark von der Lage abhängig: Dauert der Winter im südwestfinnischen Schärengebiet nur 100 Tage, herrscht er in Lappland bis zu 200 Tage lang.[2] Im kältesten Monat, dem Januar oder Februar, liegt die Durchschnittstemperatur zwischen -4 und -14 °C. Die kälteste jemals in Finnland gemessene Temperatur betrug -51,5 °C in Pokka bei Kittilä am 28. Januar 1999.[3]. Eine bleibende Schneedecke fällt meist zwischen Ende Oktober und Anfang Januar. Sie entwickelt eine Dicke von 20-30 cm im Süden bzw. 60-90 cm im Osten und Norden und schmilzt zwischen Ende März und Ende Mai.[4] Die Seen frieren zwischen November und Dezember zu und tauen erst zwischen Mai und Juni wieder auf, in kalten Wintern kann die Ostsee fast völlig zufrieren und muss mit Eisbrechern freigehalten werden. Der Sommer dauert in Südfinnland zwischen Ende Mai und Mitte September, in Lappland beginnt er einen Monat später und endet einen Monat früher. Die Temperaturunterschiede zwischen Nord- und Südfinnland sind im Sommer bei Durchschnittstemperaturen zwischen 12 und 17 °C im Juli weniger stark ausgeprägt. In Süd- und Mittelfinnland gibt es zwischen 10 und 15 Hitzetage, an denen die Temperatur über 25 °C steigt, im Norden und an den Küsten sind es 5-10.[2] Die höchste jemals in Finnland gemessene Temperatur betrug 35,9 °C am 9. Juli 1914 in Turku.[5]

Die Niederschlagssumme beträgt in Südfinnland 600-700 mm. Im Norden ist sie deutlich niedriger, was aber durch die geringe Verdunstung aufgrund der kühlen Temperaturen kompensiert wird. Der wenigste Niederschlag fällt im ganzen Land im März, der meiste im Juli oder August.

In den Gebieten nördlich des Polarkreises scheint im Sommer die Mitternachtssonne, im Winter herrscht die Polarnacht (kaamos). Zur Zeit der Sommersonnenwende wird es selbst im Süden des Landes nicht völlig dunkel (sogenannte „weiße Nächte“), in Utsjoki an der Nordspitze Finnlands geht die Sonne 73 Tage lang gar nicht unter. Entsprechend steigt dort im Winter die Sonne für 51 Tage kein einziges Mal über den Horizont, auch in Südfinnland geht sie am kürzesten Tag nur für sechs Stunden auf. Vor allem im Norden kommen im Winter Polarlichter vor.

Natur

Flora

Finnland ist das waldreichste Land Europas: 86 % der Landfläche ist bewaldet.[6] Dabei treten von Norden nach Süden drei Vegetationszonen auf. Der größte Teil Finnlands gehört zur borealen Nadelwaldzone und ist somit Teil der sich von Sibirien bis Skandinavien erstreckenden Taiga. Kennzeichnend sind die kurze Vegetationsperiode, nährstoffarme Böden, auf denen die Bäume nur langsam wachsen, das Vorherrschen von Nadelholzgewächsen und eine geringe Anzahl an Baumarten. Es dominieren Kiefern (50 %) und Fichten (30 %), die häufigste Laubbaumart ist die Birke (16,5 %).[7] Der Boden ist mit Blaubeersträuchern und Moosen, nach Norden hin auch mit Flechten, bedeckt. Nur an der Südwestküste und auf den vorgelagerten Schären herrschen Mischwälder vor. Hier wachsen auch Baumarten, die in Finnland sonst nicht vorkommen, wie die Eiche. Der äußerste Norden Lapplands ist weitgehend baumlos, in niedrigen Lagen wachsen nur noch gedrungene Birken, in höheren Lagen herrscht eine Tundra-artige Vegetation vor. Ein Drittel der Landesfläche Finnlands sind Moore. Im Süden dominieren dabei torfreiche Hochmoore, nördlich davon Aapamoore. Der größte Teil des Moorlandes ist mit Bruchwäldern bedeckt.

Das Jedermannsrecht gestattet in Finnland allen Menschen, sich unter bestimmten Einschränkungen frei in der Natur bewegen zu dürfen. Auch das Sammeln von Beeren und Pilzen und das Angeln ist gestattet. Jährlich werden in Finnland rund 40 Millionen Kilogramm wildwachsende Beeren und 270 Millionen Kilogramm Pilze gesammelt, ein Großteil davon für den Hausgebrauch.[8]

Fauna

In Finnland leben rund 65 Säugetierarten.[9] Alles in allem ist die Artenvielfalt geringer als in südlicheren Gefilden, die Wildnis Finnlands bietet aber zahlreichen Tieren Lebensraum, die im Rest Europas selten anzutreffen sind, darunter auch vier Großraubtierarten: Braunbären und Luchse sind im ganzen Land verbreitet, in Nord- und Ostfinnland leben Wölfe und Vielfraße. Die Raubtierpopulationen sind schon seit Jahren anwachsend, Bären, Wölfe und Luchse dürfen sogar in begrenztem Maße bejagt werden.

Elche sind trotz intensiver Bejagung in ganz Finnland sehr zahlreich. Obwohl alljährlich über ein Drittel der Elche erlegt werden, bleibt der Bestand nach Ablauf der Jagdsaison stabil bei über 100.000 Tieren.[10] Für den Straßenverkehr stellt die große Elchpopulation eine Gefahr dar, weil es immer wieder zu schweren Unfällen mit den Tieren kommt. Im Norden des Landes trifft man allenthalben Rentiere an. Die Rund 200.000 Rentiere sind halbdomestiziert und laufen das Jahr über frei herum, im Spätherbst treiben ihre Besitzer die Tiere zusammen und suchen die Schlachttiere heraus. Das Rentierzuchtgebiet umfasst Lappland und den Nordteil der Provinz Oulu. Weitaus seltener ist das wilde Waldrentier. Einst in weiten Teilen Finnlands verbreitet, wurde es Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet, ehe seit den 1950er Jahren wieder eine kleine Population aus Russland nach Kainuu und Nordkarelien eingewandert ist. In Süd- und Westfinnland sind aus Amerika importierte Weißwedelhirsche in größerer Zahl heimisch geworden.

Im Saimaa-Seengebiet lebt die Saimaa-Ringelrobbe. Diese seltene Süßwasser-Unterart der Ringelrobbe konnte durch gezielte Schutzmaßnahmen vor dem Aussterben gerettet werden, daher ist sie auch das Symboltier des Naturschutzes in Finnland. Besonderen Schutz genießt auch das Gleithörnchen, das in der Europäischen Union nur in Finnland und Estland vorkommt.

Zur Vogelwelt Finnlands gehören über 430 Arten[9], darunter Steinadler und Seeadler, daneben Hühnervögel wie Auerhuhn, Birkhuhn, Haselhuhn und Moorschneehuhn sowie zahlreiche Wasservogelarten. Die Vogelbeobachtung ist unter den Finnen sehr beliebt. Allein in den 30 Vogelvereinen des Landes sind etwa 9000 Mitglieder organisiert.[11]

Jagd und Fischerei sind in Finnland weit verbreitete Beschäftigungen. Sechs Prozent der finnischen Bevölkerung besitzen eine Jagdlizenz.[12] Neben den unzähligen Freizeitanglern gibt es 4000 Finnen, die als professionelle Fischer arbeiten. Drei Viertel von ihnen fischen auf dem Meer[13], der wichtigste Fang ist dabei der Hering.

Natur- und Umweltschutz

Etwa ein Zehntel der Landesfläche Finnlands steht unter Naturschutz unterschiedlichen Grades[14], im Norden des Landes, wo die Bevölkerungsdichte niedrig und ein großer Teil des Landes in staatlichem Besitz ist, ist der Anteil noch weitaus höher. Die Verantwortung für den Umweltschutz obliegt dem finnischen Umweltministerium. Dessen Hauptziele sind der Erhalt der Biodiversität, der Schutz des Landschaftsbildes, eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen aber auch die Freizeitnutzung der Naturflächen.[15]

Insgesamt gibt es in Finnland 35 Nationalparks mit einer Gesamtfläche von 8.150 km² (2,5 % der Gesamtfläche Finnlands). Während die meisten von ihnen eine Fläche von einigen zehn Quadratkilometern haben, befinden sich in Lappland mit dem Lemmenjoki- und dem Urho-Kekkonen-Nationalpark zwei ausgedehnte Nationalparks, die jeweils über 2500 Quadratkilometer groß sind.

Finnland glaubt, die Einhaltung des Kyoto-Protokolls dauerhaft nur mit Kernkraft gewährleisten zu können. Im Mai 2002 beschloss das Parlament daher den Bau eines neuen Druckwasserreaktors, der seit 2005 im Bau ist. Damit wird sich die Zahl der finnischen Kernreaktoren auf fünf erhöhen. Es bestehen bereits Überlegungen noch einen weiteren Reaktor der Baureihe EPR zu errichten. Der Kohlenstoffdioxidausstoß pro Kopf des Landes gehört zum weltweit höchsten, ist aber vergleichsweise gering wenn man die flächenmäßige Größe Finnlands und die stark expandierende Papierindustrie (auf die sich Finnlands Reichtum stützt) betrachtet.

Lappländische Nadelwälder werden in zunehmenden Maß für die Zellstoffgewinnung zur Papierproduktion abgeholzt. Umweltschutzgruppen kritisieren dieses Vorgehen als kurzsichtig, da die Waldtundra sich aufgrund des harten Klimas nur langsam regeneriert und das Abholzen einer Vernichtung der lokalen Ökosysteme gleichkommt. Samigruppen protestieren außerdem dagegen, dass ihnen durch das Vorgehen der Holzindustrie die Grundlage für ihre traditionelle Lebensweise entzogen würde.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Finnlands

Frühgeschichte

Die früheste sicher nachgewiesene Besiedlung auf dem Gebiet des heutigen Finnland stammt aus der Zeit nach Ende der letzten Eiszeit rund 8500 v.Chr. Ursprung und Sprache der frühesten Bewohner Finnlands sind unklar. Durch in den folgenden Jahrtausenden erfolgte Zuwanderung wurden neue Kulturen eingeführt, und spätestens um 5000 v.Chr. sprachen die Bewohner Finnlands hauptsächlich frühe finno-ugrische Sprachen. Um 3200 v.Chr. sickerten Zuwanderer aus dem baltischen Raum ein, die eine frühe indogermanische Sprache sprachen und sich allmählich mit der Stammbevölkerung vermischten und deren Sprache annahmen. Der sprachliche Einfluss der Zuwanderer war mitverantwortlich für die Herausbildung des Unterschiedes zwischen der urfinnischen Sprache im Küstengebiet und der samischen Sprache im Binnenland.

Die Wurzeln der finnischsprachigen Bevölkerung waren Gegenstand wiederholter Kontroversen und können bis heute nicht als geklärt gelten. Nach traditioneller Auffassung wird das Gebiet östlich des Ural oder die Gegend der Wolgaschleife für die „Urheimat“ der Finnen gehalten. In der neueren Forschung überwiegt die Ansicht, dass die Vorfahren der Finnen vor Jahrtausenden in mehreren Wellen aus verschiedenen Richtungen einwanderten, eine Jagd- und Ackerbaukultur einführten und die jagenden und sammelnden Samen nach Norden verdrängten oder sich mit diesen verschmolzen.

Die Bevölkerung der Steinzeit bestand aus Jägern und Sammlern, Ackerbau und Viehzucht waren noch unbekannt. Mit dem Beginn der Bronzezeit um 1700 v. Chr. begann, ausgehend von den Küstenregionen, die Ausübung von Ackerbau und Viehzucht. Von 100 v. Chr. an nahm der Handel mit Mitteleuropa zu. Während der Zeit der Völkerwanderung erwarben die finnischen Küstenregionen Wohlstand durch den belebten Ostseehandel, der sich in der Zeit der Wikinger ab dem 8. Jahrhundert weiter verstärkte. Um die Jahrtausendwende verdichteten sich über den Osthandel die Beziehungen Ostfinnlands zu Nowgorod. Mit den Handelsverbindungen kam die Bevölkerung Finnlands auch in Kontakt mit dem christlichen Glauben, im Westen dem römisch-katholischen, im Osten dem orthodoxen.

Finnland als Teil Schwedens

Bild:Grand duchy of finland 1662.jpg
Karte Finnlands aus dem Jahr 1662. Unter Finnland verstand man das Gebiet des Bistums Turku. Die Gebiete des heutigen Nordfinnlands gehörten zum Bistum Uppsala und wurden nicht zu Finnland gezählt.

Die Anbindung Westfinnlands an Schweden war ein allmählicher Vorgang. Die erstarkten Mächte Schweden und Nowgorod traten aus politischen, wirtschaftlichen und religiösen Gründen in Wettbewerb um das von den Finnen bewohnte Gebiet, und beide Staaten unternahmen ab dem 12. Jahrhundert mehrere mehr oder weniger militärische Kreuzzüge in die Region. Die Grenze zwischen beiden Mächten und damit die Ostgrenze Finnlands wurde erstmals 1323 im Vertrag von Nöteborg festgelegt. Die Tätigkeit der Kirche, die Siedlungsbewegungen schwedischer Einwanderer sowie die Reichsgesetzgebung und -verwaltung trugen dazu bei, dass die neuen Gebiete als Österland einer der vier festen Landesteile Schwedens wurden. Ab 1362 hatte Österland das Recht zur Teilnahme an der schwedischen Königswahl. Die Christianisierung Finnlands war mit der Gründung des Domkapitels Turku 1276 formell abgeschlossen, die alten Mythologien konnten sich aber noch für Jahrhunderte neben dem Christentum behaupten.

Während des Mittelalters entstand in Finnland eine ständische Gesellschaft europäischen Stils, ein Städtewesen und eine katholische Kirchenorganisation. Vom Ende des 14. bis zum 16. Jahrhundert war Finnland als Teil Schwedens Bestandteil der Kalmarer Union bis zu deren Zerfall unter Führung von Gustav I. Wasa. In seiner Herrschaftszeit von 1523 bis 1560 entwickelte sich Schweden zu einem starken Zentralstaat, der die Grundlage für die Großmachtstellung des Reiches im 17. Jahrhundert bildete. Ebenfalls unter Gustav Wasa wurde im Zuge der Reformation der katholische Glauben durch das evangelisch-lutherische Christentum ersetzt.

Während der Großmachtperiode gelang es Schweden, sein Gebiet in Kriegen mit Dänemark, Polen und Russland im Umkreis der Ostsee zu erweitern. Finnland, das während dieser Zeit von Kriegshandlungen verschont blieb, wurde enger in die Reichsverwaltung integriert. Unter der Leitung des Generalgouverneurs Per Brahe des Jüngeren wurden mehrere Städte neu gegründet, in Turku die Akademie und ein Hofgericht geschaffen sowie ein Postwesen entwickelt.

Während des 18. Jahrhunderts schwand die Machtstellung Schwedens, besonders im Großen Nordischen Krieg, in dessen Zuge Finnland 1714 bis 1721 russisch besetzt wurde. Nach Abschluss des Friedens von Nystad endete die Besetzung Finnlands, aber auch die Großmachtstellung Schwedens. In einem weiteren russisch-schwedischen Krieg, dem so genannten Krieg der Hüte 1741 bis 1743 wurde Finnland erneut besetzt, und im anschließenden Frieden wurde die schwedische Ostgrenze bis an den Fluss Kymijoki vorgeschoben.

Finnland als Großfürstentum unter Russland

Bild:Diet of Porvoo.jpg
Auf dem Landtag zu Porvoo leisteten die Stände Finnlands dem Zaren 1809 den Treueeid. Der Zar seinerseits versicherte die Aufrechterhaltung des bestehenden Rechts- und Gesellschaftssystems.

Im Zuge der napoleonischen Koalitionskriege verbündete sich Russland unter Zar Alexander I. mit Frankreich gegen England und das mit diesem verbündete Schweden. 1808 griff Russland Schweden an und begann damit den Finnischen Krieg, als dessen Resultat Schweden weite Gebiete an Russland abtreten musste. Zu diesen Gebieten gehörten neben dem damals die heutige Südhälfte Finnlands umfassenden Kernfinnland auch die Ålandinseln sowie Teile von Lappland und Västerbotten. Aus diesen Gebieten gemeinsam mit den bereits 1721 und 1743 eroberten Gebieten wurde das Großfürstentum Finnland gebildet, das Teil des Russischen Reiches war, aber eine weitgehende politische Autonomie genoss. Insbesondere wurden die hergebrachten schwedischen Gesetze ebenso wie in weiten Teilen die herrschende Verfassung aufrecht erhalten.

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war von einer gewissen politischen Starre geprägt. Der Reichstag als ständische Volksvertretung wurde von den Zaren zwischen 1809 und 1863 nicht einberufen, die Politik konzentrierte sich auf die Verwaltung bei unveränderter Gesetzeslage. Während dieser Zeit kam es aber auch zu einem Erwachen eines finnischen Nationalbewusstseins, und es wurden zahlreiche Anstrengungen zur Stärkung der finnischen Identität unternommen, ohne dass sich diese zunächst gegen die Zarenherrschaft gerichtet hätten.

In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts kam die Politik in Bewegung, insbesondere durch die freizügige Politik des Zaren Alexander II. Durch die Beseitigung hergebrachter Wirtschaftsbeschränkungen belebte sich die Wirtschaft und kam die Industrialisierung ab den Sechzigerjahren in Fahrt, angetrieben vor allem durch die Holzwirtschaft und die in großer Zahl gegründeten Sägewerke. Die hierdurch notwendige gesetzgeberische Tätigkeit wurde durch die ab 1863 regelmäßig erfolgte Einberufung des Reichstages ermöglicht.

Dem erstarkten finnischen Nationalbewusstsein traten ab dem Ende des 19. Jahrhunderts russische Bestrebungen einer Zentralisierung des Reiches und einer Russifizierung der zu diesem gehörenden Gebiete entgegen. Das sogenannte Februarmanifest des Zaren Nikolaus II. schränkte die autonomen Rechte Finnlands spürbar ein. Dies hatte einen zähen politischen Konflikt zur Folge, zu dessen Zuspitzungen die Ermordung des Generalgouverneurs Nikolai Bobrikov 1904 und, im Zusammenhang mit der Russischen Revolution, ein umfassender Generalstreik im Herbst 1905 gehörten. Infolge des Generalstreiks sagte Nikolaus die Wiederherstellung der Autonomie sowie die Schaffung einer nichtständischen Volksvertretung zu.

Zu dem 1906 neugeschaffenen Parlament hatten alle Finnen – zum damaligen Zeitpunkt europaweit einmalig auch Frauen – gleiches Wahlrecht. Die während des Generalstreiks zutage getretenen politischen und sozialen Spannungen konnten jedoch nicht beseitigt werden. Die Russifizierungsbemühungen wurden 1909 wieder aufgenommen. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, an welchem finnische Soldaten von einigen Freiwilligen abgesehen nicht teilnahmen, kam das politische Leben aber zunächst zum Erliegen.

Unabhängigkeit und Kriege

Bild:Pariisin rauha de.png
Als Folge der beiden Kriege gegen die Sowjetunion 1939 bis 1944 musste Finnland die hier rot gekennzeichneten Gebiete an den Nachbarn abtreten.

Nachdem die zaristische Macht infolge der russischen Februarrevolution zerbrochen war, erklärte das finnische Parlament das Land am 6. Dezember 1917 für unabhängig. Die Unabhängigkeit wurde im Januar 1918 zunächst durch das bolschewistische Russland und in der Folge durch zahlreiche andere Staaten anerkannt. Der Prozess der Ablösung von Russland wurde allerdings von schweren inneren Konflikten begleitet, die am 27. Januar 1918 in einem sozialistischen Umsturzversuch gipfelten. In einem dreimonatigen Bürgerkrieg behielten letztlich die bürgerlichen „Weißen“ die Oberhand.

Im Jahr 1919 bekam Finnland eine republikanische Verfassung. Mit Sowjetrussland wurde 1920 ein Friedens- und Grenzvertrag unterzeichnet, aufgrund dessen die Grenzen Finnlands mit dem früheren Großherzogtum übereinstimmten, Finnland aber zusätzlich das Gebiet Petsamo mit dessen Zugang zum Nordmeer zugestanden wurde. Im Verhältnis zu Schweden entstand Streit um die strategisch bedeutsamen Ålandinseln. Eine Entscheidung des Völkerbundes sprach die Inseln schließlich 1921 Finnland mit der Maßgabe zu, dass sie eine weitgehende Autonomie erhielten.

Im 1939 geschlossenen Hitler-Stalin-Pakt wurde Finnland der sowjetischen Interessensphäre zugewiesen. Der Angriff der Sowjetunion auf Finnland am 30. November 1939 bildete den Auftakt für den Winterkrieg. Trotz zahlreicher erfolgreicher Abwehrschlachten stand die Verteidigung im März vor dem Zusammenbruch, als der Krieg am 13. März 1940 durch den Friedensvertrag von Moskau beendet wurde. Finnland musste große Teile Kareliens und andere Gebiete an die Sowjetunion abtreten.

Als Hitler im Juni 1941 die Sowjetunion überfiel, trat Finnland in Kooperation mit Deutschland in den Krieg ein, der in Finnland als Fortsetzungskrieg bezeichnet wird. Die finnische Armee eroberte nicht nur die verlorenen Gebiete zurück, sondern drang auch tief in das zur Sowjetunion gehörige Gebiet Ostkareliens ein mit dem Ziel, die von vielen Finnen als Volksgenossen angesehenen nah verwandten Volksgruppen in einem Großfinnland zusammenzuführen. 1944 war Finnland jedoch zum Rückzug aus den besetzten Gebieten gezwungen und sah sich erneut der drohenden sowjetischen Besetzung gegenüber. Am 19. September 1944 schloss Finnland mit der Sowjetunion einen Separatfrieden, der den Fortsetzungskrieg beendete. Die Gebietsverluste des Winterkrieges wurden bestätigt, zudem musste Petsamo abgetreten werden.

Der Separatfrieden verpflichtete Finnland, die deutschen Truppen aus dem Land zu vertreiben, und so schloss sich der finnisch-deutsche Lapplandkrieg an, in dessen Verlauf die sich zurückziehenden deutschen Truppen große Teile Lapplands völlig zerstörten. Der Krieg endete am 27. April 1945 mit dem Abzug der letzten deutschen Soldaten aus Kilpisjärvi. Der Kriegszustand mit den Allierten wurde endgültig beendet durch den Pariser Friedensvertrag von 1947.

Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit und insbesondere im Kalten Krieg nahm Finnland eine Sonderstellung im Spannungsfeld zwischen den Blöcken ein. Das Land hatte sich im Krieg seine Unabhängigkeit und die marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung bewahrt, die Sowjetunion behielt aber einen großen Einfluss auf die finnische Politik. Finnland verfolgte einerseits eine strikte Neutralitätspolitik, andererseits eine insbesondere durch Präsident Juho Kusti Paasikivi vorangetriebene Versöhnung mit der Sowjetunion. 1948 wurde mit der Sowjetunion ein Freundschafts- und Kooperationsabkommen geschlossen, das durch mehrfache Verlängerung bis zum Ende der Sowjetunion in Kraft blieb. Konflikte mit dem östlichen Nachbarn wurden durch intensive, oftmals inoffizielle Kontakte der finnischen Politik mit Moskau vermieden. Diese Politik, die verschiedentlich den Eindruck des vorauseilenden Gehorsams erweckte, wurde hauptsächlich von westdeutschen Politikern mit dem geringschätzigen Prädikat der Finnlandisierung belegt.

Der prägende Politiker im Nachkriegsfinnland war Urho Kekkonen, der von 1956 bis 1982 Präsident der Republik Finnland war. Er verband die seinerzeit weitreichenden verfassungsmäßigen Befugnisse des Präsidenten mit einem autokratischen Führungsstil, und die Pflege der Beziehungen zur Sowjetunion betrachtete er weitgehend als seine Privatangelegenheit. 1973 ließ er seine Amtszeit durch ein parlamentarisches Ausnahmegesetz verlängern, obwohl an seiner Wiederwahl in den regulären Wahlen kaum Zweifel bestanden hätte. Insgesamt wird der Amtszeit Kekkonens daher ein Demokratiedefizit bescheinigt, der Präsident konnte sich aber während der gesamten Periode der Unterstützung der Wählermehrheit sicher sein.

Zu den bedeutendsten Erfolgen Kekkonens gehört die 1975 in Helsinki abgehaltene KSZE-Konferenz, welche neben deren Auswirkungen auf den Verständigungsprozess in Europa auch die Stellung Finnlands als neutralem Staat festigte.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion stürzte Finnland, dessen Wirtschaft sich zu einem großen Teil auf den Osthandel stützte, Anfang der Neunzigerjahre in eine schwere Wirtschaftskrise. Gleichzeitig erlangte das Land aber größeren außenpolitischen Spielraum. 1992 nahm Finnland Verhandlungen zum Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft auf, die 1995 in der Vollmitgliedschaft in der heutigen Europäischen Union mündeten.

Bevölkerung

Finnland hat eine Bevölkerung von etwa 5,25 Millionen Menschen und ist damit ein dünn besiedeltes Land mit einer Bevölkerungsdichte von rund 15,5 Einwohnern je Quadratkilometer. Dabei ist die Bevölkerung sehr ungleich verteilt. Während die nördliche Provinz Lappland mit 1,9 Einwohnern je Quadratkilometer fast menschenleer ist, konzentrieren sich etwa 40 % der Bevölkerung auf die Provinz Südfinnland mit 62,6 Einwohnern je Quadratkilometer. Allein rund 1,233 Millionen Menschen leben im Großraum Helsinki. Weitere Ballungsräume sind die Städte Tampere, Turku und Oulu mit ihren Einzugsgebieten.

Demographische Entwicklung

Bild:Finland population pyramid.png
Die Altersstruktur der Bevölkerung Finnlands (Stand 2005) zeigt eine Spitze in den geburtenstarken Jahrgängen 1946-1949

Die Bevölkerungsentwicklung ist bis heute von einer andauernden Landflucht geprägt, vor allem junge Menschen ziehen zur Ausbildung und Arbeit in die Städte, wodurch die ländlichen Gemeinden besonders in Ost- und Mittelfinnland unter Bevölkerungsschwund und Überalterung zu leiden haben. Während zum Beispiel 2005 landesweit rund 36% der Bevölkerung unter 30 Jahren alt war, waren es im ostfinnischen Suomussalmi nur 28 %.[16]

Insgesamt zeigt die Bevölkerungsstruktur eine Tendenz zur Alterung. Die Geburtenrate liegt zwar mit rechnerisch 1,74 Kindern pro Frau über dem europäischen Durchschnitt,[17] genügt aber nicht, um insbesondere die Alterung der besonders geburtenstarken Jahrgänge 1946 bis 1949 auszugleichen. Derzeit zeigt die Bevölkerungsentwicklung noch eine leicht ansteigende Tendenz. Es wird erwartet, dass diese insbesondere durch Zuzug von Ausländern noch bis etwa 2030 anhält und es dann zu einer Bevölkerungsabnahme kommt.[18]

Der Ausländeranteil ist mit rund 2%[19] im Vergleich zu den Nachbarländern Norwegen und Schweden gering, hat sich aber seit dem Ende des Kalten Krieges vervielfacht. Der Grund für diese niedrige Ziffer ist zum einen die bis heute recht restriktive Einwanderungspolitik des finnischen Staates, zum anderen war Finnland zur Zeit der großen Arbeitsmigration in den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit insbesondere im Vergleich zu Schweden wirtschaftlich schwach und selbst eher Auswandererland denn Einwanderungsziel. Nach 1945 wanderten über eine halbe Million Finnen aus[20], zumeist nach Schweden. Ihre Spitze erreichte diese Entwicklung um 1970, als in Schweden Hochkonjunktur herrschte und in Finnland die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge auf den Arbeitsmarkt drängten und jährlich rund 40.000 Finnen nach Schweden umsiedelten.[21] In der Folge hat der Auswandererstrom stark nachgelassen. Heute verlassen jährlich rund 10.000-15.000 Menschen das Land, ein Verlust, der durch die Zuwanderung von knapp 20.000 Menschen überkompensiert wird.[22]

Bevölkerungsgruppen und Sprachen

Finnland ist offiziell zweisprachig. Landesweit geben 91,7 % der Bevölkerung Finnisch und 5,5 % Schwedisch als Muttersprache an. Die schwedischsprachige Bevölkerung konzentriert sich vor allem auf die Küstenregionen im Süden und in Österbotten, wo der finnlandschwedische Dialekt verwendet wird, sowie auf die Provinz Åland.

Die Wohngebiete der schwedischsprachigen Finnen konzentrieren sich auf die Küstenregionen und Åland.
Die Wohngebiete der schwedischsprachigen Finnen konzentrieren sich auf die Küstenregionen und Åland.

Die Sprachpolitik Finnlands wurde seit dem 19. Jahrhundert durch teilweise erbitterte Auseinandersetzungen um das Verhältnis zwischen der finnischen und der schwedischen Sprache bestimmt. Heute sind beide Sprachen durch die finnische Verfassung als Amtssprachen festgeschrieben.[23] Jede Gemeinde ist entweder finnischsprachig, schwedischsprachig oder zweisprachig. Eine Gemeinde gilt als zweisprachig, wenn die sprachliche Minderheit einen Bevölkerungsanteil von 8 % ausmacht oder alternativ von mindestens 3000 Einwohnern repräsentiert wird. Nach der derzeitigen, bis zum Jahr 2012 gültigen Einteilung sind in Finnland 19 Gemeinden schwedischsprachig (davon 16 in der Provinz Åland) und 43 Gemeinden zweisprachig. Die übrigen 354 Gemeinden sind ausschließlich finnischsprachig.[24]

Besonderen Schutz als ethnische Minderheit genießen die Samen, die ihr Siedlungsgebiet in den nördlichen Regionen Lapplands haben. Die samischen Sprachen, die sich in die eigenständigen Sprachen Nord-Sami, Inari-Sami und Skolt-Sami unterteilen, werden heute noch von etwa 1750 finnischen Samen als Muttersprache gesprochenen und haben einen offiziellen Status in den den Gemeinden Enontekiö, Inari und Utsjoki sowie im Nordteil der Gemeinde Sodankylä.[25] In diesen Gemeinden leben rund 4000 der 7000 von der samischen Verwaltung als ethnische Samen eingestuften Finnen.[26] Zur Überwachung der Stellung der samischen Sprachen und zur Verwirklichung einer sprachlichen und kulturellen Selbstverwaltung wurde 1996 eine eigene parlamentarische Vertretung der Samen (sámediggi) gegründet.

Seit etwa 500 Jahren sind kleinere Gruppen von Roma in Finnland ansässig. Deren Sprache, Romani, hat einen Status als offizielle Minderheitensprache.[27] Durch Zuwanderung aus dem Ausland sind heute auch zahlreiche andere Ethnien in Finnland vertreten, ohne allerdings einen besonderen Status zu genießen. Die größte sprachliche Minderheit besteht aus den etwa 40.000 Sprechern der Russischen Sprache.[28] Zu ihnen gehören auch zahlreiche finnischstämmige Zuwanderer aus Karelien und dem Ingermanland, denen seit den Neunzigerjahren das Recht auf „Rückkehr“ nach Finnland zugestanden wurde.

Religion

Seit 1923 ist die Religionsfreiheit in der finnischen Verfassung garantiert. Die Evangelisch-Lutherische Kirche und die Orthodoxe Kirche sind per Gesetz als Volkskirchen festgeschrieben und genießen besondere Vorrechte. Ihre Mitglieder zahlen eine Kirchensteuer in Höhe von 1 bis 2,25 % ihres Einkommens, zudem erhalten die Volkskirchen weitere staatliche Zuwendungen für soziale und karitative Zwecke, aber auch für Instandsetzungsaufgaben wie die Friedhofspflege. Obwohl die finnische Gesellschaft weitgehend säkularisiert ist, sind rund 85% der Bevölkerung konfessionell gebunden; nur 14,7% erklärten sich im Jahr 2006 konfessionslos.[29]

Bild:Turku cathedral 26-Dec-2004.jpg
Die große Mehrheit der Finnen gehört der evangelisch-lutherischen Kirche an, deren geistiges Zentrum der Dom von Turku ist.

Die überwiegende Mehrzahl der Finnen gehört der Evangelisch Lutherischen Kirche Finnlands an. Sie hatte im Jahr 2006 4.366.255 Mitglieder, was über 83% der Gesamtbevölkerung entspricht.[30] Die Zahl ist allerdings seit Jahren rückläufig, insbesondere seit ein Gesetz im Jahre 2003 den Kirchenaustritt erleichterte. Auch die Anzahl der Gottesdienstbesucher nimmt ab. Nur 2 % der Kirchenmitglieder besuchen wöchentlich eine Kirche, rund 10 % einmal monatlich.[31] Die meisten Gläubigen besuchen Gottesdienste nur an hohen Feiertagen wie Weihnachten, Ostern oder zu familiären Anlässen wie Taufen, Hochzeiten und Bestattungen. Dennoch genießt die Kirche hohes Ansehen in der Bevölkerung und stellt insbesondere in ländlichen Gebieten ein wichtiges soziales Netzwerk dar.

In manchen ländlichen Gegenden dominieren Erweckungsbewegungen das Gemeindeleben. In Nordfinnland ist der Laestadianismus weit verbreitet, insgesamt hat er in Finnland rund 120.000 Anhänger.[32] Vor allem in Teilen Savos und Österbottens sind pietistische Gruppen stark vertreten.

Bild:Orthodox Church of Tampere.jpg
Trotz des geringen Anteils von 1,1 % der Bevölkerung nimmt die orthodoxe Kirche vielfach eine sichtbare Stellung ein, hier die orthodoxe Kirche von Tampere

Der seit 1923 autonomen Orthodoxen Kirche in Finnland gehören rund 60.000 Menschen in 24 Gemeinden an, also rund 1,1% der Bevölkerung.[33] Das orthodoxe Christentum verbreitete sich seit dem Mittelalter von Nowgorod aus vor allem nach Karelien. Während der russischen Herrschaft bildeten sich mit den Zuzug von russischen Beamten und Militärs auch orthodoxe Gemeinden in den Großstädten des Landes, deren Nachkommen, die so genannten „alten Russen,“ heute rund 3000 Köpfe zählen.[34] Als Finnland nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg große Teile Kareliens an die Sowjetunion abtreten musste, wurden auch zehntausende orthodoxe Karelier umgesiedelt und über ganz Finnland verstreut. Auch die Mönche des berühmten Inselklosters Valamo im Ladogasee flohen vor dem sowjetischen Vormarsch nach Westen und gründeten in Heinävesi das Kloster Uusi Valamo („Neu-Walamo“). Eine weitere orthodoxe Gruppe, die 1945 ins finnische Kernland floh, sind die rund 400 Skoltsamen in der Gemeinde Inari. Seit 1990 hat sich die Anzahl der orthodoxen Christen durch die Einwanderung von „neuen Russen“ aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion deutlich erhöht.

Nicht zur evangelischen Volkskirche gehören die verschiedenen Pfingstkirchen, denen mindestens 50.000 Menschen angehören. Zudem gibt es in Finnland 19.200 Zeugen Jehovas und über 3.300 Mormonen. Die Katholische Kirche in Finnland hat rund 8.000 Anhänger, zumeist Ausländer oder Einwanderer vor allem aus Polen. Das katholische Bistum Helsinki besteht seit 1995 und umfasst ganz Finnland.

In Finnland existieren zwei jüdische Gemeinden mit insgesamt rund 1.500 Mitgliedern, von denen 1.200 in Helsinki und 200 in Turku leben.[35] Die finnischen Juden sind überwiegend Nachkommen von Kantonisten, also Zwangsrekruten der Zarenarmee, die nach dem Ende ihrer Dienstzeit in Finnland blieben, oder von russischen Juden, die nach der Oktoberrevolution nach Finnland flohen. Sie sind in der finnischen Gesellschaft gut integriert und sprechen zumeist beide Landessprachen fließend[36]. Jiddisch wird nurmehr von wenigen Älteren gesprochen. Im unabhängigen Finnland waren die Juden zu keiner Zeit systematischem Antisemitismus ausgesetzt. So gab es selbst im Fortsetzungskrieg, als Finnland an der Seite des nationalsozialistischen Deutschland gegen die Sowjetunion kämpfte, eine Feldsynagoge für die auf finnischer Seite kämpfenden Juden.

Ebenfalls seit der Zarenzeit ist eine tatarische Minderheit muslimischen Glaubens ansässig, deren Vorfahren zwischen 1870 und 1920 vom Oberlauf der Wolga nach Finnland übersiedelten. 1925 gründeten sie die Finnische Islamische Gemeinde, die erste staatlich anerkannte islamische Gemeinde Westeuropas. Heute leben in Finnland rund 800 Tataren, die meisten von ihnen in Helsinki und Umgebung. Sie haben auch in der fünften und sechsten Generation ihre Sprache bewahren können, sprechen aber auch durchweg fließend Finnisch oder Schwedisch. Seit 1990 hat sich die Zahl der in Finnland lebenden Muslime durch die Aufnahme von tausenden somalischer Flüchtlinge, aber auch durch Einwanderung aus dem Nahen Osten und Südosteuropa vervielfacht. Insgesamt leben in Finnland heute rund 20.000 Muslime. [37]

Politik

Verfassung und Rechtssystem

Nach der Verfassung von 1919 war Finnland eine Präsidialrepublik mit dominierender Stellung des Staatspräsidenten. Am 1. März 2000 trat eine völlig reformierte Verfassung in Kraft, welche die Machtbefugnisse in erheblichem Maße vom Präsidenten zu Parlament und Regierung verschob. Heute ist das Land eine parlamentarische Republik.

Bild:Parliament building Finland.jpg
Das von J. S. Sirén geplante Parlamentsgebäude in Helsinki wurde 1931 fertiggestellt.

Gesetzgebendes Organ ist das Parlament (finn. Eduskunta, schwed. Riksdag), ein Einkammerparlament mit 200 Abgeordneten, die für vier Jahre nach dem Verhältniswahlrecht gewählt werden. Wahlberechtigt ist jeder finnische Staatsbürger ab 18 Jahren. Jeder Wähler hat eine Stimme, die er einem bestimmten Kandidaten gibt, so dass die Wähler nicht nur auf die Kräfteverhältnisse der Parteien, sondern auch auf die Reihenfolge der Kandidaten auf den Parteienlisten Einfluss haben.

Die Regierung des Landes, der Staatsrat (hallintoneuvosto), ist seit der Verfassungsreform direkt dem Parlament verantwortlich. Der Ministerpräsident wird direkt vom Parlament gewählt, die übrigen Mitglieder vom Präsidenten auf Vorschlag des Ministerpräsidenten ernannt. Traditionell werden in Finnland große Koalitionen auch über das zur Schaffung einer absoluten Mehrheit notwendige Maß hinaus gebildet. Derzeit wird der Staatsrat unter dem Ministerpräsidenten Matti Vanhanen durch eine Koalition aus der Zentrumspartei, der Sammlungspartei, den Gründen und der Schwedischen Volkspartei gebildet.

Bild:Kattely-3.jpg
Der Präsidentenempfang zum Unabhängigkeitstag, hier Tarja Halonen beim Empfang 2004, zählt in Finnland zu den meistbeachteten Veranstaltungen des Jahres.

Die Befugnisse des Präsidenten der Republik wurden durch die Verfassungsreform 1999 deutlich eingeschränkt, ihm verbleiben jedoch noch bedeutende Aufgaben. Der Präsident leitet in Zusammenarbeit mit der Regierung die Außenpolitik. Außerdem hat er den Oberbefehl über die Streitkräfte und kann hohe Staatsbeamte und Richter ernennen. Der Präsident wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Seit 2000 ist die Sozialdemokratin Tarja Halonen als erste Frau die Präsidentin von Finnland. In der Stichwahl der Präsidentschaftswahlen am 29. Januar 2006 zwischen ihr und Sauli Niinistö setzte sie sich mit 51,8 % durch.

Es gibt in Finnland kein gesondertes Verfassungsgericht. Die Gesetzmäßigkeit der Verwaltungstätigkeit wird von den regulären Gerichten überprüft. Die Verfassungsmäßigkeit der vom Parlament beschlossenen Gesetzes ist allerdings richterlicher Kontrolle entzogen. Das Parlament übt eine Selbstkontrolle der Verfassungsmäßigkeit seiner Gesetzgebung mittels eines Grundgesetzausschusses (perustuslakivaliokunta) aus.

Das finnische Rechtssystem ist stark vom Recht Schwedens geprägt, das bei der Ablösung Finnlands aus dem Verbund mit Schweden 1809 in Kraft blieb. Bis in die jüngere Vergangenheit zeichnete sich die Gesetzgebung durch ein hohe Maß an Kontinuität aus. Seit dem Beitritts Finnlands zur Europäischen Union 1995 hat das Unionsrecht vielfältige Neuerungen und Reformen in der finnischen Gesetzgebung erforderlich gemacht. Das ordentliche Gerichtssystem ist in drei Zügen aufgebaut. Als Einstiegsinstanz dienen die 56 Amtsgerichte (käräjäoikeus), Berufungen können zu den sechs Hofgerichten (hovioikeus) erhoben werden. Oberste Instanz für Revisionen, die allerdings nur unter engen Voraussetzungen zugelassen werden, ist das Oberste Gericht (korkein oikeus). Neben der ordentlichen Gerichtsbarkeit besteht eine gesonderte, zweizügige Verwaltungsgerichtsbarkeit.

Parteien

Aufgrund der hohen Anzahl kleiner Splitterparteien und der Tatsache, dass wichtige Gesetze bis zur Grundgesetzänderung 2000 eine Zweidrittelmehrheit benötigten, wurden oft breite Koalitionsregierungen gebildet. Seit dem 1. März 2000 ist dies nicht mehr erforderlich. Dennoch gibt es nach wie vor übergroße Koalitionen, unter anderem weil bisher die Schwedische Volkspartei in die Koalition der Roten Erde (Sozialdemokraten und ländliche Zentrumspartei) eingebunden wurde. Ministerpräsident ist seit Juni 2003 Matti Vanhanen, dessen Partei auch bei den Wahlen am 18. März 2007 knapp gewann.

  Parlamentswahlen in Finnland am 18. März 2007 [38]
  Partei  %Stimmen  Sitze  
  Zentrum
Bild:Pixel.gifBild:Pixel.gif  23,1%
639.993  51  
  Nationale Sammlungspartei
Bild:Pixel.gifBild:Pixel.gif  22,3%
616.519  50  
  Sozialdemokraten
Bild:Pixel.gifBild:Pixel.gif  21,4%
593.609  45  
  Linksbündnis
Bild:Pixel.gifBild:Pixel.gif  8,8%
244.009  17  
  Grüner Bund
Bild:Pixel.gifBild:Pixel.gif  8,5%
233.930  15  
  Christdemokraten
Bild:Pixel.gifBild:Pixel.gif  4,9%
134.643  7  
  Schwedische Volkspartei
Bild:Pixel.gifBild:Pixel.gif  4,5%
125.387  10*  
  Wahre Finnen
Bild:Pixel.gifBild:Pixel.gif  4,0%
112.097  5  
  Andere
Bild:Pixel.gifBild:Pixel.gif  2,5%
67.581  –  
*) Inkl. Vertreter Ålands  

Seit 2003 sind drei etwa gleich starke, größere Parteien sowie fünf kleinere Parteien im Parlament vertreten. Dazu kommt ein Abgeordneter der autonomen Ålandinseln. Dies hat sich auch bei der Wahl 2007 nicht geändert, wobei es allerdings in der Sitzverteilung einige Änderungen gab: Zentrumspartei 51 Sitze (-4), Nationale Sammlungspartei (konservativ, wirtschaftsliberal) 50 (+10), Sozialdemokraten 45 (-8), Linksverband 17 (-2), Grüne 15 (+1), Schwedische Volkspartei 9 (+1), Christliche Union 7, Wahre Finnen 5 (+2).

Sicherheits- und Verteidigungspolitik

Die finnische Sicherheits- und Verteidigungspolitik ist nachhaltig von der Erfahrung des Zweiten Weltkrieges geprägt. In der kollektiven Erinnerung ist die Ansicht tief verwurzelt, dass auf Verbündete kein Verlass sei und die Landesverteidigung im Kriegsfall aus eigener Kraft gewährleistet sein sollte.[39] Die Verteidigungspolitik Finnlands ist auf eine „totale Verteidigung“ (kokonaismaanpuolustus)[40] der staatlichen Souveränität, territorialen Integrität und demokratischen Verfassung des Landes ausgerichtet.

Im Kalten Krieg war Finnland bemüht, gute Beziehungen zur Sowjetunion zu unterhalten, den mächtigen Nachbarn und vormaligen Kriegsgegner aber gleichzeitig auf Abstand zu halten. So schlossen die beiden Staaten 1948 einen „Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand“ ab, doch wusste Finnland die darin vorgesehenen Gipfeltreffen immer wieder zu vertagen. Das Bemühen, im Zuge der fortschreitenden Blockbildung die Neutralität zu wahren, bestimmte die finnische Außenpolitik ab den 1950er Jahren und wird nach den Staatspräsidenten dieser Zeit als Paasikivi-Kekkonen-Linie bezeichnet. Zwar war Finnland durch die stete Rücksichtnahme auf die Interessen Moskaus in seiner außenpolitischen Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt, konnte die Wehrfähigkeit des Staates jedoch wahren.

Auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges hält Finnland an der Allianzfreiheit fest, doch ist die Doktrin der strikten Neutralität einer aktiven Westpolitik gewichen.[41] So kooperiert Finnland seit 1994 im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden und seit 1997 als Mitglied des Euro-Atlantischen Partnerschaftsrats mit der NATO. Finnische Soldaten sind derzeit für die von der NATO geführten Sicherungstruppen im Kosovo (KFOR) und Afghanistan (ISAF) im Einsatz. Mit dem Beitritt zur Europäischen Union 1995 und dem Bekenntnis zur gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik trat das Land zwar keinem eigentlichen Militärbündnis bei, stellte aber dennoch seine Sicherheitspolitik und damit auch seine Streitkräfte in den Dienst supranationaler Interessen. Zum 1. Januar 2006 werden erstmals finnische Soldaten an einem Kampfverband der EU teilnehmen und für Einsätze im Sinne der Petersberg-Aufgaben bereit stehen.

Die Möglichkeit eines NATO-Beitritts ist eines der umstrittensten Themen in der finnischen Öffentlichkeit. Die gegenwärtige Präsidentin Tarja Halonen sieht in dieser Frage keinen Handlungsbedarf, eine Mehrheit der Finnen steht einer NATO-Mitgliedschaft derzeit ablehnend gegenüber. Gegner der Mitgliedschaft berufen sich vor allem auf der bewährte Neutralitätspolitik und bevorzugen die Zusammenarbeit innerhalb der EU, während Befürworter die Verteidigungsinteressen Finnlands insbesondere mit Blick auf das instabile Russland betonen.

Streitkräfte

Finnische Soldaten auf Skiern
Finnische Soldaten auf Skiern

Im Jahr 2006 machte das Budget der finnischen Streitkräfte rund 5,7%[42] des Gesamthaushalts aus und betrug absolut 2,274 Milliarden Euro. Der Anteil der Militärausgaben am Bruttosozialprodukt liegt bei 1,6%[43], was in etwa der Ziffer Deutschlands entspricht, aber deutlich unter dem gesamteuropäischen Schnitt liegt.

Laut §127 der finnischen Verfassung gilt die allgemeine Wehrpflicht. Der Wehrdienst dauert je nach Ausbildungsstand zwischen 6 und 12 Monaten. Zwar besteht die Möglichkeit zur Wehrdienstverweigerung und Ableistung eines zivilen dreizehnmonatigen Ersatzdienstes, doch leisten mehr als 80% eines Geburtsjahrgangs Militärdienst.[44] Bis zu 35.000 Finnen werden jährlich zu Reserveübungen einberufen. Ausdrücklich vom Wehrdienst ausgenommen sind nur Zeugen Jehovas und die Bewohner der autonomen Provinz Åland. Seit 1995 besteht für Frauen die Möglichkeit zum freiwilligen Wehrdienst.

Die finnischen Streitkräfte haben in Friedenszeiten eine Stärke von 35.000 Mann, davon 26.000 im Heer, 5.000 in der Marine und 4.000 in der Luftwaffe.[45] Im Kriegsfall können bis zu 520.000 Mann in kurzer Zeit unter Waffen gestellt werden,[46] zudem kann der Finnische Grenzschutz mit einer Kriegsstärke von 30.000 Mann dem Heereskommando unterstellt werden. Bis zum Jahr 2008 soll die Kriegsreserve jedoch auf eine Stärke von 430.000 reduziert werden.

Verwaltungsgliederung

Bild:Namen der Lääni Finnlands.gif
Karte der Provinzen in Finnland

Finnland teilt sich in die sechs Provinzen (finn. lääni, schwed. län) Åland, Lappland, Ostfinnland, Oulu, Südfinnland und Westfinnland auf. Diese sind wiederum in 20 Landschaften (finn. maakunta, schwed. landskap) unterteilt, die jedoch keine politische Bedeutung haben. Im Falle von Åland und Lappland sind Provinz und Landschaft deckungsgleich. Die Landschaften teilen sich in insgesamt 74 Verwaltungsgemeinschaften (finn. seutukunta, schwed. ekonomisk region). Die unterste Ebene der Verwaltungsgliederung bilden die Gemeinden. Eine Gemeinde, in der über 90 % der Bevölkerung in geschlossenen Ortschaften lebt oder in der das größte Siedlungszentrum mehr als 15.000 Einwohner zählt, wird als Stadt bezeichnet. Insgesamt gibt es in Finnland 431 Gemeinden, von denen 114 Städte sind (Stand: 2006).

Unter den Provinzen Finnlands nimmt Åland einen Sonderstatus ein, da es mit weitgehender Autonomie ausgestattet ist. Infolge einer Entscheidung des Völkerbundes aus dem Jahr 1921 gehört es als demilitarisierte Zone zu Finnland, verwaltet aber seine inneren Angelegenheiten selbstständig.

Noch auf Zeiten der schwedischen Herrschaft gehen die historischen Landschaften zurück. Während der russischen Zeit wurden 1831 die Provinzen Finnlands reformiert. Diese Verwaltungsgliederung hielt sich im Großen und Ganzen bis 1997, als die Anzahl der Provinzen von zwölf auf sechs halbiert wurde. Dadurch wurden sie zu reinen Verwaltungseinheiten ohne regionale Identität. Zugleich wurden die Landschaften als regionale Unterteilung der Provinzen eingeführt.

Infrastruktur

Finnland hat trotz der harten klimatischen Bedingungen und der weitmaschigen Siedlungsstruktur ein sehr gut ausgebautes Eisenbahn- und Straßennetz.

Das Straßennetz umfasst eine Gesamtlänge von 77.895 Kilometern, wobei 49.853 Kilometer davon befestigt und 473 Kilometer als Autobahn ausgebaut sind. Das Autobahnnetz ist im wesentlichen auf die Hauptstadt Helsinki ausgerichtet. Durchgehende Autobahnen existieren von Helsinki nach Tampere und Lahti. In Bau befindet sich die Strecke nach Turku. Des weiteren haben einige größere Städte ein paar Autobahnkilometer als Umgehungsstraße. Das Tempolimit liegt außerorts bei 80, auf Autostraßen bei 100 und auf Autobahnen bei 120 km/h. Auch tagsüber muss mit Abblendlicht gefahren werden. Im Winter sind Winterreifen Vorschrift, Reifen mit Spikes sind dabei erlaubt und werden mehrheitlich verwendet.

Das 5.660 Kilometer lange Eisenbahnnetz wird von der staatlichen Eisenbahngesellschaft VR-Yhtymä Oy betrieben und ist zu 37 Prozent elektrifiziert. Die größten Städte werden mit dem bis zu 200 km/h schnellen Hochgeschwindigkeitszug S220 (Pendolino) bedient. Nachtreisezüge und Autoreisezüge verbinden die großen Ballungsräume des Südens mit den nördlichen Regionen des Landes. Internationale Bahnverbindungen gibt es nur nach Russland.

Bild:Helsinkitram.jpg
Straßenbahn in Helsinki

Fast jeden Ort kann man auch mit dem Bus erreichen. In Finnland operierende Busunternehmen sind unter anderen Connex, Länsilinjat, Paunu, Pohjolan Liikenne und Savonlinja. Die Überlandlinien werden von verschiedenen im Matkahuolto-Verbund zusammenarbeitenden Busunternehmen unter der Marke Expressbus betrieben. Die einzige U-Bahn des Landes ist die Metro Helsinki und auch Straßenbahnen gibt es nur im Verkehrsverbund Helsinki (Helsingin kaupungin liikennelaitos, HKL).

Große Bedeutung kommt der Küstenschifffahrt, für den Handel mit Russland auch der Binnenschifffahrt über den Saimaakanal zu. Das Binnenschifffahrtsnetz hat eine Gesamtlänge von 6.675 Kilometern. Wichtige Hafenstandorte sind Hamina, Helsinki, Kokkola, Kotka, Loviisa, Oulu, Pori, Rauma, Turku, Uusikaupunki und Varkaus. Die Handelsflotte besitzt 480 Schiffe mit mehr als 100 Bruttoregistertonnen. Da im Winter die Küstengewässer zufrieren, muss eine große Zahl von Eisbrechern die Hafenzufahrten freihalten.

Größere Orte besitzen auch Flughäfen, die durch ein dichtes Inlandsflugnetz bedient werden. 1999 gab es insgesamt 157 Flughäfen und Flugplätze in Finnland. Die nationale finnische Fluggesellschaft ist Finnair. Weitere Fluggesellschaften sind Air Finland, Blue1, Finncomm Airlines und Golden Air.

Finnland besitzt ein 580 Kilometer langes Erdgaspipelinenetz.

Wirtschaft

Finnland ist eines der wohlhabenderen Länder innerhalb der EU. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht das Land einen Index von 111 (EU-25:100) (2005).[47]

Erfolgreich war Finnland in den letzten Jahren bei der Einbindung älterer Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt. Mitte der 1990er Jahre waren 20 Prozent der 55 bis 59-jährigen arbeitslos. Unter anderem durch das Programm Älter werdende Arbeitnehmer konnte diese auf 7,3 Prozent gesenkt werden.[48]

Wirtschaftliche Entwicklung

Bis weit ins 20. Jahrhundert zählte Finnland zu den ärmsten Ländern Europas. Auch wenn bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Industriebetriebe (v.a. Papiermühlen, Baumwollspinnereien, Eisenhütten) entstanden, war das Leben der meisten Finnen bis nach dem Zweiten Weltkrieg von der Landwirtschaft geprägt. Erst ab ca. 1950 wurde die Industrialisierung in erheblichen Umfang vorangetrieben. Nicht zuletzt, um die umfangreichen Reparationsforderungen der UdSSR zu bewältigen. War bis dahin Holz mehr oder weniger der einzige Exportartikel, entwickelte sich innerhalb von 20 Jahren eine diversifizierte Wirtschaft mit einer leistungsfähigen Elektroindustrie (Nokia), Petrochemie (Neste Oil) und Maschinen- und Fahrzeugbau (Valmet). Ein weiterer wichtiger Bereich wurde der Schiffbau.

Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von 1950 bis 1974 jährlich um rund 5 %. In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre erfolgte ein Einbruch. In den 1980ern stieg das Wachstum dann wieder auf rund 6 % jährlich.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahre 1991 kam es zu einer großen Wirtschaftskrise. Zwischen 1990 und 1993 sank das Bruttosozialprodukt um 13%; die Arbeitslosenquote stieg von 3,4 im Jahre 1990 auf 18,4% im Jahre 1994.

Die Trendwende wurde durch einschneidende Maßnahmen erreicht. 1991 und 1992 wurde die Finnmark um rund 13 % abgewertet, wodurch der Export wieder deutlich zunahm. Eine strenge Sparpolitik beschränkte die Ausgaben des öffentlichen Sektors. Zahlreiche Staatsunternehmen, darunter das staatliche Telekommunikationsunternehmen, die Eisenbahn, Chemie-, Stahl- und Energiekonzerne, wurden für 20 Mrd. Finnmark privatisiert. 1996 erreichte man so einen ausgeglichenen Staatshaushalt.

Die Neuausrichtung der Wirtschaftsstruktur sorgte bis zum Jahr 2001 für eine Halbierung der Arbeitslosenquote auf 9,2%. In den Jahren 2003 und 2004 betrug sie 9,0% und 8,9%. Für das Jahr 2005 erwartet das Statistische Zentralamt in Finnland eine Arbeitslosenquote in Höhe von 8,6%.

Außenhandel

Die finnische Außenhandelsbilanz weist einen leichten Überschuss auf. Nach vorläufigen Zahlen betrug der Export 2006 61,40 Mrd. €, der Import im gleichen Jahr 55,89 Mrd. €. Die wichtigsten Handelspartner sind Deutschland mit einem Handelsanteil von 11,3 %, Schweden mit 10,5 % und Russland mit 10,1 %. Großbritannien und die Vereinigten Staaten folgen mit jeweils 6,5 %.[49]

Metallwirtschaft

Die Firma Fiskars ist einer der ältesten metallverarbeitenden Betriebe Finnlands. Ein ebenso bedeutendes Unternehmen ist Valmet (Valtion Metallitehtaat - staatliche Metallwarenfabrik), das auch im Automobilbau tätig ist. Auch die Firma Kone, einer der größten Hersteller von Aufzügen kommt aus Finnland.Die Firma Valtra, eine ehemalige Kanonenfabrik (Valtion Tykkitehtaat), hat sehr viel zum Wiederaufbau nach dem Krieg beigetragen. Sie stellt Traktoren her und zählt zu den größten Traktorenherstellern weltweit. Der LKW-Hersteller Sisu Auto hat auch eine große Bedeutung in der Wirtschaft von Finnland.

High Tech

Das Land ist führend bei der Herstellung von Mikroelektronik und Mobiltelefonen. Das größte Unternehmen Finnlands ist der Elektronikkonzern Nokia. Das Unternehmen Sonera ist Finnlands führende Telekomgruppe und gilt als eines der innovativsten Kommunikationsunternehmen weltweit. Das Unternehmen Sonera war international das erste Unternehmen, das WAP- und SMS-Dienst einführte und die erste UMTS-Lizenz bekommen hatte. Weitere Marktinnovationen sind Soneras Technologien für Web-TV und die mobile Signatur. Das Unternehmen ist international Pionier bei der Verknüpfung von Internet und mobiler Kommunikation. Internationale Bedeutung hat auch der Virenschutzhersteller F-Secure. Das Betriebssystem Linux wurde von dem Finnen Linus Torvalds entwickelt.

Holzwirtschaft

Hinzu kommt der große Anteil an Holzwirtschaft. Finnland ist zu 66% Waldland mit moderner Holzwirtschaft, deren Erzeugnisse bis zu 40% der finnischen Exporte stellen. Die Wirtschaft reagiert daher empfindlich auf Schwankungen der Weltmarktpreise und der Nachfrage für Holz, Papier und Möbel. Wichtigstes Bergbauprodukt ist Kupfer.

Tourismus

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Typische Idylle: das rot gestrichene Ferienhaus
See in Finnisch-Lappland
See in Finnisch-Lappland

Finnland galt lange Zeit aufgrund der überbewerteten Finnmark als sehr teures Reiseziel. Mit der Abwertung der Landeswährung zu Beginn der 1990er änderte sich diese Situation grundlegend. Seitdem hat der Tourismus zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Finnland ist mit tausenden Seen, Inseln, Wäldern und zahlreichen Ferienhäusern (Mökkis) vor allem bei naturbegeisterten Individualtouristen beliebt. Für kulturell Interessierte ist der dichter besiedelte Süden mit seinen Städten reizvoll. Vor allem Helsinki erweist sich in den Sommermonaten als Tourismusmagnet. Fast alle Sehenswürdigkeiten lassen sich bequem erwandern. Da das Stadtgebiet zu 30 % aus unbebauten Flächen – z.B. Wäldern und Parks – besteht und 98 km Küstenlinie sowie 315 Inseln umfasst, bietet Helsinki eine Naturnähe und einen Freizeitwert, wie man ihn in vergleichbar großen Städten nur selten findet.

Zugleich ist die Hauptstadt Dreh- und Angelpunkt der meisten Finnlandreisen. Verbindungen zu anderen Ostsee-Anrainerstaaten bestehen z.B. mit den Schiffen der Silja Line und Viking Line. Internationale Fluganbindungen bietet der Flughafen im benachbarten Vantaa. Von hier gibt es zahlreiche Anschlussflüge zu den innerfinnischen Zielen.

Zu den bekanntesten Destinationen in Lappland zählen Ylläs, Ivalo, Levi, Saariselkä, Rovaniemi, Luosto, Kemi und Kuusamo. Weitere beliebte Orte sind Vuokatti und Sotkamo in Kainuu, an der Südküste neben Helsinki die Städte Porvoo, Turku und Naantali. An der Westküste Rauma, Pori, Kalajoki und Oulu. Zu den bekanntesten Gegenden Finnlands zählt die östliche Seenplatte, das Saimaa-Seengebiet, mit Koli, Punkaharju, Lappeenranta und Savonlinna.

Zu den beliebtesten Aktivitäten im Sommer gehören Wandern, Angeln, Nordic Walking, Golf, Radfahren, Reiten, Segeln, Kanu und Kajak fahren, Beeren und Pilze sammeln, Schwimmen und natürlich Sauna. Im Winter ist Finnland ein Eldorado für Langlauf, aber beliebt auch für Alpin, Snowboard, Safaris mit Husky, Motorschlitten oder Rentier.

Kultur

Bildende Kunst und Architektur

Die Bildende Kunst (z. B. die Maler Albert Edelfelt, Akseli Gallén-Kallela, Helene Schjerfbeck, Hugo Simberg und der Bildhauer Ville Vallgren) und die Architektur (z. B. Eliel Saarinen) Finnlands waren Bestandteil der europäischen Avantgarde.

Bild:Ruovesi Holzhaeuser.jpg
finnische Holzhäuser

Von internationalem Ruf ist daneben auch das finnische Design, das sich in die Reihe der skandinavischen Gestaltungsrichtung fügt. Bekannt ist hier besonders der Architekt und Designer Alvar Aalto, dessen wolkenförmige Glasvasen auch in Deutschland bekannt geworden sind. Seine Möbelentwürfe werden bis heute bei Artek produziert und angeboten. Seine Frau Aino Aalto ist die Designerin der bekannten Gläser. Weitere wichtige finnische Designermarken sind Arabia, Iittala, Marimekko und Hackman.

Literatur

Bild:Missale Aboense 1.jpg
Das Missale Aboense

Als finnische Literatur versteht man die im Gebiet des heutigen Finnland entstandene Literatur.[50] Somit umfasst sie sowohl Werke in finnischer als schwedischer Sprache, weshalb sie sich zum Teil mit der schwedischen Literatur überschneidet.

Schon in vorchristlicher Zeit verfügten die Finnen über eine reiche mündlich überlieferte Volksdichtung, von der aber erst ab dem 16. Jahrhundert Aufzeichnungen existieren. Die literarische Produktion in Finnland begann erst mit der Christianisierung im 13. Jahrhundert, blieb aber bis zur Reformation sehr spärlich und beschränkte sich auf lateinischsprachige religiöse Texte. Der früheste in Finnland geschriebene Text ist die Legende des heiligen Heinrich aus dem späten 13. Jahrhundert, das älteste für Finnland gedruckte Buch das Missale Aboense, ein Messbuch aus dem Jahr 1488. Die ersten Texte in finnischer Sprache entstanden nach der Reformation im 16. Jahrhundert, als man der lutherischen Lehre gemäß begann, das Wort Gottes in der Sprache des Volkes zu verkünden. Als „Vater der finnischen Sprache“ gilt der Reformator Mikael Agricola, von dem die ersten überlieferten Werke in finnischer Sprache, eine 1543 veröffentlichte Fibel, ein Gebetbuch von 1544 und eine Übersetzung des Neuen Testaments aus dem Jahr 1548, stammen. Mit seinem Hauptwerk, der Bibelübersetzung, legte Agricola den Grundstein für eine finnische Schriftsprache. In den folgenden Jahrhunderten gab es nur vereinzelte literarische Tätigkeiten, hauptsächlich religiösen Charakters. Von einer finnischen literarischen Kultur konnte nicht die Rede sein.[51]

Bild:Lonnrot1.jpg
Elias Lönnrot. Kupferstich von G. Budkowski aus dem Jahr 1845.

Im frühen 19. Jahrhundert fasste die Romantik unter der Wirkung der Lehren des einflussreichen Humanisten Henrik Gabriel Porthan in Form des sogenannten „Turkuer Romantik“ in Finnland Fuß. Ihr herausragendster Vertreter war der auf Schwedisch schreibende Dichter Frans Michael Franzén. Nachdem Finnland 1809 unter russische Herrschaft gekommen war, begann sich ein finnisches Nationalbewusstsein herauszubilden, zu dessen Entwicklung der finnlandschwedische Schriftsteller Johan Ludvig Runeberg wesentlich beitrug.[52] In seiner Hexameterdichtung Elgskyttarne („Die Elchjäger“, 1832) führt er die wilde Natur Finnlands als patriotisches Symbol in die Literatur ein. Runebergs Hauptwerk war die Gedichtssammlung Fänrik Ståls sägner (1848/1860; dt. Die Sagen des Fähnrich Stål, 1852), aus der unter anderem die finnische Nationalhymne entnommen ist. Johan Vilhelm Snellman, der wichtigste finnische Denker jener Zeit, hob die Rolle der finnischen Sprache für die Entwicklung einer finnischen Nation hervor, und unter seinem Einfluss sah man es als wesentliche Aufgabe der finnischsprachigen Literatur an, zum Aufbau einer nationalen finnischen Identität beizutragen.[53] Zugleich weckte die Romantik ein Interesse an der finnischen Volksdichtung. Elias Lönnrot zeichnete auf mehreren Reisen in Ostkarelien mündlich übermittelte Lieder auf und schuf auf dieser Grundlage das finnische Nationalepos Kalevala (erste Fassung 1835, zweite Fassung 1849) und dessen lyrisches Schwesterwerk Kanteletar (1840). Das Kalevala verschuf der finnischen Identität enormen Auftrieb, sah man es doch als