Das CineDat-Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Fernsehturm

Aus CineDat.

Wechseln zu: Navigation, Suche
Bild:CN Tower Toronto.jpg
Der CN Tower in Toronto

Fernsehturm, auch Sendeturm oder Fernmeldeturm (FMT), nennt man einen meist röhrenförmigen Turm in schlanker Stahlbetonbauweise (vertikale Kragarmkonstruktion), dessen vorwiegende Aufgabe es ist, Hörfunk und Fernsehen auszusenden. Fernmeldetürme werden auch für richtfunkbasierte Telekommunikation wie beispielsweise die Übertragung von Telefongesprächen verwendet, wobei diese heute zunehmend durch Glasfaserkabel oder Satellitenkommunikation abgelöst wird. Der Unterschied zum allgemeinen Funkturm (meist als Stahlkonstruktion) liegt in der Bauweise; sowie zu Hochhäusern im Hauptzweck. Allerdings gibt es auch Fernmeldetürme, die eher einem Hochhaus als einem „klassischen Sendeturm“ ähneln, wie der Fernmeldeturm auf dem Großen Feldberg.

Inhaltsverzeichnis

Geschichtliches

Bild:Ostankino tower.jpg
Der Moskauer Ostankino-Turm
Der höchste Asiens: der Oriental Pearl Tower in Shanghai
Der höchste Asiens: der Oriental Pearl Tower in Shanghai

Die Baustoffe Gusseisen, Schmiedeeisen und später Stahl ermöglichten den Ingenieuren Anfang der 19. Jahrhunderts ganz neuartige Brückenbauten. Mit Hilfe der neuen Werkstoffe wurden die Träume zu Plänen, hohe Türme in den Himmel zu bauen. Bereits 1833 plante der englische Ingenieur Richard Trevithick eine 1000 Fuß (305 m) hohe Säule aus Gusseisenelementen zu erbauen. Später sollte zur amerikanischen Weltausstellung in Philadelphia eine 1000 Fuß hohe Eisenröhre aufgestellt werden, die mit Hilfe von Stahlseilen abgespannt werden sollte. Diese nie errichtete Konstruktion, welche 9 m im Durchmesser messen sollte, wäre allerdings vermutlich wegen Windschwingungen eingestürzt.

Der Eiffelturm – Symbol aller Türme

Bereits 1881 wurde vorgeschlagen, Paris mit einem 300 m hohen Leuchtturm auszuleuchten. Dieser Turm sollte aus Granit gebaut werden; die Ausführbarkeit dieses Projektes zweifelte Gustave Eiffel jedoch zu Recht an und präsentierte 1885 seine Pläne zum Bau des Eiffelturms der Öffentlichkeit. Der Entwurf des 300 m hohen Turmes aus Stahlfachwerk sollte mit vier stark gespreizten Beinen die Windkräfte besonders günstig aufnehmen. Trotz zahlreicher Kritiker und Gegner behielt Gustave Eiffel mit seiner Prognose Recht, dass dieser Bau zum Symbol des Fortschritts werden würde. Er war der Hauptanziehungspunkt der Weltausstellung. Daneben wurde er zum Versuchslabor für meteorologische, physikalische und sogar physiologische Experimente. Ebenso wurde die drahtlose Telegrafie erprobt, was den Eiffelturm zum ersten Funkturm der Geschichte macht.

Der Eiffelturm wurde zum Vorbild vieler Planungen von Stahltürmen. Die Stadt London schrieb 1890 einen Turmbauwettbewerb aus. Die zwanzig eingegangen Projekte sahen Türme zwischen 300 m und 456 m Höhe vor. Zwar wurde mit dem Bau begonnen, es entstand aber nur ein Turmstumpf von 47 Metern Höhe, der 1907 abgerissen wurde (Watkins Tower).

Als Anfang des 20. Jahrhunderts der Funkverkehr zunahm, wurde der Stahlgitterturm zum notwendigen Zweckbau. So entstand beispielsweise 1926 der Berliner Funkturm.

In den 30er Jahren wurden die ersten Sendetürme in Stahlbetonbauweise mit rechteckigem Grundriss für die ersten Fernsehsender auf dem Brocken und auf dem Feldberg im Taunus errichtet. Beide Türme sind noch erhalten. Der Turm auf dem Brocken besitzt eine Aussichtsplattform, während der für Besucher regulär nicht zugängliche Fernmeldeturm Großer Feldberg durch seine außergewöhnliche Bauweise auffällt.

Vom Funkturm zum Fernsehturm

Der Stuttgarter Fernsehturm war weltweit der erste Turm, der als schlanke Röhre in Stahlbetonbauweise ausgeführt wurde. Er wurde vom Stuttgarter Bauingenieur Prof. Dr.-Ing. Fritz Leonhardt entworfen, im Juni 1954 begonnen und im Februar 1956 fertiggestellt.

Der steigende Bedarf an Funk- und Fernsehübertragung sorgte dafür, dass ab den 1960er Jahren weltweit viele neue Fernseh- und Fernmeldetürme gebaut wurden. In Deutschland wurden etwa 300 davon als standardisierte Typentürme im Auftrag der Post (heute "Funkturm Deutschland - DFMG", eine Tochter der Deutsche Telekom AG) an geeigneten Standorten errichtet. Bei siedlungsnahen Türmen wurden vielfach Publikumseinrichtungen wie z. B. Aussichtsplattformen oder Drehrestaurants integriert, um die Akzeptanz der Türme zu erhöhen. So bekamen viele der größten Städte in Deutschland ihren „eigenen“ Fernsehturm. Die meisten Sendetürme stehen jedoch oft weitab von besiedelten Gebieten und sind für die Öffentlichkeit auch nicht zugänglich.

Der höchste deutsche Fernsehturm ist der 1969 in der DDR erbaute Berliner Fernsehturm (368 m), in Europa der 1967 vollendete Moskauer Ostankino-Turm (540 m). Weltweit am höchsten ist der 1976 erbaute CN Tower in Toronto, Kanada mit 553,33 m.

Anderswo, wie in den Niederlanden wurden auch Hybridtürme gebaut, eine Kombination aus einem Stahlbetonturm und einer abgespannten Antenne.

Sehr selten ist die Kombination von Wasser- und Fernsehturm, z.B. der Fernsehturm St. Chrischona bei Basel oder der Fernsehturm Heidelberg.

Es gibt auch einige Fernsehtürme, die in ihrer Bauweise mehr einem Hochhaus als einem herkömmlichen Fernsehturm ähneln. Beispiele hierfür sind der alte Fernsehturm auf dem Brocken im Harz, der Fernmeldeturm auf dem Großen Feldberg und der Fernsehturm im polnischen Bytkow.

Die Höhe eines Fernsehturms wird maßgeblich durch die Notwendigkeit bestimmt, die Antenne so hoch zu platzieren, dass die Signale störungsfrei gesendet und in großem Umkreis empfangen werden können. In zahlreichen Großstädten Nordamerikas übernehmen zumeist Wolkenkratzer diese Funktion.


Abgrenzung der Begriffe Fernsehturm, Fernmeldeturm und Funkturm

Die Begriffe Fernsehturm, Fernmeldeturm und Funkturm werden häufig synonym gebraucht. Die Begriffe unterschieden sich jedoch hinsichtlich ihrer Verwendung.

Als Fernsehturm wird ein freistehender Sendeturm für die Verbreitung von UKW-Hörfunk und Fernsehprogrammen bezeichnet. Diese Bezeichnung wird auch oft für Türme mit Richtfunkantennen, die über eine für die Öffentlichkeit zugängliche Aussichtsplattform verwenden.

Als Fernmeldeturm wird ein freistehender Sendeturm verwendet, der für die Installation von Richtfunkantennen vorgesehen ist. Die meisten freistehenden Sendetürme der Deutschen Telekom AG sind derartige Bauwerke. Nichts desto trotz werden Fernmeldetürme mit einer für die Öffentlichkeit zugänglichen Aussichtsplattform als Fernsehturm bezeichnet, da man von ihr aus "in die Ferne sehen" kann.

Als Funkturm werden kleinere freistehende Sendetürme bezeichnet werden, die nur für Sender kleiner Leistung verwendet werden. Der Begriff kann auch für freistehende selbststrahlende Sendetürme verwendet werden.

Abgespannte Antennenträger werden als Sendemast bezeichnet.

Mobilfunktürme mit Aussichtsplattform

Es wurden auch Mobilfunktürme mit Aussichtsplattform gebaut. Beispiele:

Fernsehtürme in aller Welt (Auswahl)

Baujahr Land Ort Bezeichnung des Turms Höhe
(Meter)
Bemerkung
1889 Frankreich Paris Eiffelturm 324 Stahlkonstruktion
1894 Großbritannien Blackpool Blackpool Tower 158 Stahlkonstruktion
1894 Frankreich Lyon Tour métallique de Fourvière 85,7 Stahlkonstruktion
1922 Russland Moskau Schuchow-Radioturm 150 Stahlkonstruktion
1926 Deutschland Berlin Berliner Funkturm 150 Stahlkonstruktion
1937 Deutschland Großer Feldberg Fernmeldeturm Großer Feldberg 69,13 Konstruktion aus Stahlbeton, Stahl und Holz
1950 Großbritannien London Crystal Palace Tower 222 Stahlkonstruktion
1955 Deutschland Berlin Fernsehturm Müggelberge unvollendet
1956 Deutschland Stuttgart Stuttgarter Fernsehturm 216,8 erste Stahlbetonkonstruktion dieser Art
1958 Japan Tokio Tokyo Tower 333 Stahlkonstruktion
1958 Deutschland Hannover Hermesturm 88,8
1958 Deutschland Hannover VW-Tower 141
1958 Deutschland Ochsenkopf Ochsenkopf (Fichtelgebirge) 163 Vorbild für zahlreiche Türme in Europa
1958 Deutschland Heidelberg Fernsehturm Heidelberg 82 auch Wasserturm
1959 Deutschland Dortmund Florianturm 208,56
1960 Deutschland Kulpenberg Fernsehturm Kulpenberg 94
1960 Niederlande Rotterdam Euromast 185
1961 Niederlande Lopik Gerbrandytoren 382,5 Hybridturm
1961 Deutschland Burgstall Fernsehturm Hoher Bogen
1962 Norwegen Oslo Tryvannstårnet 118
1962 USA Seattle Space Needle 184,4
1962 Tschechien Buková hora Fernsehturm Buková hora 223
1962 Polen Czamorzeki Fernsehturm Sucha Gora 120
1963 Finnland Kuopio Puijo-Turm 75
1964 Deutschland Berlin Fernmeldeturm Berlin-Schäferberg 212
1964 Deutschland Schwerin Fernsehturm Schwerin-Zippendorf 136
1964 Österreich Wien Donauturm 252
1964 Schweden Stockholm Kaknästurm 155
1965 Serbien Belgrad Fernsehturm Belgrad-Avala 202,9 zerstört
1965 Deutschland Bremerhaven Radarturm (Bremerhaven) 106,1
1966 Polen Lysa Gora Fernsehturm Swiety Krzyz 157
1966 Deutschland Stuttgart Stuttgarter Funkturm 93
1966 Großbritannien London BT Tower 188
1967 Russland Moskau Ostankino-Turm 540 577 Meter geplant
1968 Deutschland München Olympiaturm 291,28
1968 Deutschland Hamburg Heinrich-Hertz-Turm 279,8
1968 Kanada Calgary Calgary Tower 190,8
1969 Deutschland Berlin Berliner Fernsehturm 368,03
1969 Deutschland Dresden Dresdner Fernsehturm 252
1971 Großbritannien Emley Moor Fernsehturm Emley Moor 330
1971 Finnland Tampere Näsinneula 173
1971 Südafrika Johannesburg Telkom Joburg Tower 270
1972 Deutschland Stuttgart Stuttgarter Fernmeldeturm 192,4
1975 Deutschland Kiel Fernmeldeturm Kiel 230
1972 Georgien Berg Mtatsminda Fernsehturm Tiflis 274,5
1973 Ukraine Kiew Fernsehturm Kiew 385 Stahlkonstruktion
1973 USA San Francisco Sutro Tower 295 Stahlkonstruktion
1975 Deutschland Mannheim Fernmeldeturm Mannheim 212,80
1975 Südkorea Seoul Seoul Tower 236,7
1975 Slowakei Bratislava Fernsehturm Bratislava 200
1976 Kanada Toronto CN Tower 553,35
1976 Deutschland Koblenz Fernmeldeturm Koblenz 255
1977 Deutschland Nürnberg Fernsehturm Nürnberg 292,8
1979 Deutschland Frankfurt am Main Europaturm 337,5
1980 Estland Tallinn Fernsehturm Tallinn 314
1980 Litauen Vilnius Fernsehturm Vilnius 326
1981 Deutschland Helpter Berge Fernsehturm Helpterberg 203,2
1981 Deutschland Köln Fernsehturm „Colonius 266
1981 Australien Sydney Sydney Tower 304
1981 Deutschland Düsseldorf Rheinturm 240,5
1982 Spanien Madrid Torre España (El Pirulí) 230
1983 Kasachstan Alma-Ata Fernsehturm Alma-Ata 371,5
1983 Deutschland Wesel „Langer Heinrich“ 158
1984 Schweiz St. Chrischona bei Basel Fernsehturm St. Chrischona 250
1985 Uzbekistan Taschkent Fernsehturm Taschkent 375
1986 Deutschland Münster Fernmeldeturm Münster 222,5
1986 Deutschland Bremen Bremer Fernsehturm 235,7
1986 Lettland Riga Fernsehturm Riga 368,5
1991 China Tianjin Funk- und Fernsehturm „Tian Ta“ in Tianjin 368
1991 USA Cincinnati Star Tower 291,4 Stahlkonstruktion
1991 Deutschland Cuxhaven Friedrich-Clemens-Gerke-Turm 230
1992 China Peking Zentraler Fernsehturm Peking 405
1992 Spanien Barcelona Montjuic Tower 136
1992 Spanien Barcelona Collserola-Turm 288
1992 Tschechische Republik Prag Prager Fernsehturm 216
1992 Deutschland Hannover Telemax 282,2
1995 China Shanghai Oriental Pearl Tower 468
1996 Malaysia Kuala Lumpur Menara KL 421
1996 USA Las Vegas Stratosphere Tower 356
1996 Belgien Sint-Pieters-Leeuw Fernsehturm Leeuw-Saint-Pierre 300
1998 Brasilien Sao Paulo Torre TV Bandeirantes 212 Stahlkonstruktion
1997 Neuseeland Auckland La Sky Tower 328
2001 SVR Macau Macau Macau Tower 338
2003 Iran Teheran Fernsehturm Milad 435

Bilder von Fernsehtürmen in Deutschland

Das Datum bezieht sich auf die Fertigstellung.

Siehe auch: Liste der höchsten Gebäude der Welt - Stahlfachwerkturm - Typenturm

Literatur

Weblinks

<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden Commons: Fernsehturm – Bilder, Videos und/oder Audiodateien
wikt:
Wiktionary
Wiktionary: Fernsehturm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
Wikipedia
Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort Fernsehturm, die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Persönliche Werkzeuge